In diesen Häusern ist nicht nur das Design stilvoll, sondern auch der Ort, an dem es gezeigt wird.

1. München

Arbeit, U-Bahn, Roboter

Geschichte Die Neue Sammlung – The Design Museum in München feiert dieses Jahr offiziell ihr hundertjähriges Bestehen, obwohl die Grundlagen für die Einrichtung bereits 1903 gelegt wurden. Lange bevor das Wort «Design» seine heutige Bedeutung erhielt. 

Architektur Das riesige, funktionale Museum ist das Werk des deutschen Architekten Stephan Braunfels, der auch für das Paul-Löbe-Hauses des Deutschen Bundestages im Berliner Regierungsviertel verantwortlich zeichnet. Es strahlt dieselbe Grösse aus, ist effizient, ohne protzig zu wirken. Rund um das Gebäude befinden sich mehrere Kunstwerke, darunter das berühmte futuristische Mobilhaus des Finnen Matti Suuronen in Form eines UFOs.

Aktualität Am 28. November wird ein neuer Dauerausstellungsbereich zum Thema Roboter eröffnet: Robotic Worlds. Er verbindet Technologie und Design und präsentiert die Pioniere der Haushalts- und Medizinrobotik.

www.die-neue-sammlung.de/en

2. Lausanne

Kunstquartier beim Bahnhof

Geschichte Alles begann 1862, als eine Adlige russischer Herkunft, Catherine de Rumine (die Mutter von Gabriel, der den Palais de Rumine finanzierte), das Industriemuseum konzipierte und finanzierte. Es zog mehrmals innerhalb des Stadtzentrums von Lausanne um, bevor es 2022 im Kunstquartier Plateforme 10 gegenüber dem Bahnhof eine Heimat fand.

Architektur Neben dem imposanten Musée cantonal des Beaux-Arts teilt sich das Mudac den Raum mit dem Musée de l’Elysée, das auf Fotografie spezialisiert ist. Hier ist ein ganz neues Kulturviertel entstanden, mit einem Platz und Bistros.

Aktualität Bis zum 22. März 2026 steht der Schweizer Designer Kévin Germanier im Mittelpunkt der Lausanner Institution. Die Ausstellung «Les Monstrueuses» bietet ein immersives Erlebnis und präsentiert Outfits, mehrere von Germaniers Kooperationen und einzigartige Kreationen. Eine 300 Quadratmeter grosse Hommage an die Kreislaufmode, seine grosse Leidenschaft. 

www.mudac.ch

3. Mailand

Design, made in Italy

Geschichte Der Palazzo dell’Arte wurde 1933 von Giovanni Muzio am Rande des Simplon-Parks im Herzen Mailands errichtet, um die Messe für Design, Architektur, Kunst und Theater, die Triennale, zu beherbergen. Während des Zweiten Weltkriegs wurde er durch Luftangriffe beschädigt. 2007 wurde das Designmuseum innerhalb der Mauern des Palazzo eröffnet, inklusive Restaurant und Konzertraum.

Architektur Der im klassischen Stil erbaute Palazzo bildet zusammen mit dem Castello Sforzesco, der Arena und dem Arco della Pace eine monumentale Achse, die vom Stadtpark eingerahmt wird. Das Erdgeschoss, in dem sich das Designmusem befindet, wurde von Luca Cipelletti entworfen.

Aktualität Die neuen «Dream Benches» der Designerin Lise Vester laden dazu ein, im Garten des Museums den Himmel zu beobachten.

www.triennale.org

4. Kopenhagen

Qualität, die Massstäbe setzt

Geschichte Das Design Museum Denmark wurde 1890 gegründet und eröffnete fünf Jahre später. Der Hauptgedanke hinter dem Museum war von Anfang an, das Bewusstsein der Konsumenten für hochwertiges Design zu fördern. In dem Wissen, dass Design die Welt zu einem besseren Ort machen kann.

Architektur Das Museum befand sich zunächst in einem Neubau. 1926 zog es an seinen jetzigen Standort um, in ein ehemaliges Krankenhaus. Das Gebäude wurde während der Regierungszeit von König Frederik V. in den Jahren 1752–1757 nach Entwürfen der Architekten Nicolai Eigtved und Lauritz de Thurah erbaut und zählt zu den  schönsten Rokkokobauten Dänemarks. Kaare Klint (1888–1954), der als Wegweiser des dänischen Möbeldesigns gilt, richtete Ende der 1920er-Jahre das gesamte Museum ein und entwarf auch das Inventar. Er lebte und arbeitete in dem Museum.

L’actualité Dans les jardins du musée, les nouveaux «Dream Benches» de la designer Lise Vester invitent à observer le ciel. Magique.

www.designmuseum.dk

5. Barcelona

La beauté des céramiques

Geschichte Das Museu del Disseny hat 2014 eröffnet und beherbergt rund 70 000 Objekte aus fünf Jahrhunderten. Der Fokus liegt dabei auf der Designgeschichte Spaniens und Kataloniens. Das Museum entstand aus einem Zusammenschluss mehrerer kleiner Museen, deren Exponate– Keramiken, Textilien und Grafikdesign – jetzt gesammelt an einem Ort gezeigt werden. Auch das Institut zur Förderung von Design FAD und das Zentrum für Design Barcelona BCD befinden sich hier.

Architektur Das fünfstöckige Gebäude liegt gleich neben dem Torre Agbar und ist selbst ein echter Hingucker: Es wurde vom renommierten Architekturbüro MBM entworfen. Der längliche, halb unterirdische Bau ist als Übergang zwischen den Stadtteilen El Clot und El Poblenou konzipiert worden.

Aktualität Neu interpretiert für die Barcelona Design Week, kehrt die Ausstellung «Inspired in Barcelona: Luce» in ihre Heimat zurück, nachdem sie am Salone in Mailand gezeigt wurde. Lichtinstallationen und Leuchten zeigen, welche Emotionen Licht weckt.

www.dissenyhub.barcelona

6. Prag

Die Kunst des Glases

Geschichte Das Museum für dekorative Kunst (kurz UPM) wurde Ende des 19. Jahrhunderts auf Initiative der Handelskammer gegründet und konzentrierte sich von Anfang an auf das Beste der industriellen Produktion Böhmens. Kein Wunder, dass seine kubistischen Werke und vor allem seine Glaskunstwerke oft für internationale Ausstellungen angefragt werden.

Architektur Der beeindruckende Neorenaissance-Palast am Ufer der Moldau garantiert den Besuchern eine sehr instagrammable Kulisse, die jede Menge  Emotionen weckt. Der Architekt Josef Schulz arbeitete mit vielen Details und Fresken, die auf sinnliche Weise mit den zeitgenössischen Objekten in Dialog treten.

Aktualität Die Dauerausstellung über Glaskunst zwischen 1946 und 2019 wird bis zum 11. Januar durch Werke von Adolph Matura ergänzt, einem in den 1950er- und 1960er-Jahren weltbekannten Glasdesigner.

www.upm.cz

7. Stockholm

Architektur und Design

Geschichte Seine Anfänge gehen zurück auf die 1950er-Jahre, als die Swedish Association of Architects (SAR) ein Archiv für Fotografie einrichtete. Hieraus entwickelte sich das Swedish Museum of Architecture, welches 1966 eröffnete. 2013 wird das Museum in National Centre for Architecture and Design, ArkDes, umbenannt, um auch den Bereich Design zu integrieren.

Architektur Nach einer einjährigen Renovation eröffnet das ArkDes im September 2024, komplett transformiert vom Architekturbüro Arrhov Frick. Behandelt werden die Themen Architektur, Design sowie Lebensräume und ihre Rolle als Treffpunkt. 

Aktualität Dass Gebäude nicht immer aus Beton sein müssen, stellt das ArkDes seit mehr als 30 Jahren unter Beweis: mit der jährlichen Lebkuchenhaus-Ausstellung. Auch dieses Jahr kann man sich mit ihr auf Weihnachten einstimmen. Amateure und Profis sind eingeladen, ihre Entwürfe einzureichen – prämiert werden drei Kategorien: Architekten, Designer und Bäcker, bis zwölf Jahre und alle anderen.

www.arkdes.se

8. Berlin

Der Breton des Bauhaus

Geschichte Das Bauhaus Archiv Museum wurde 1979 gegründet, um das Archiv des Bauhauses, einer 1919 in Weimar gegründeten künstlerischen Bewegung, zu beherbergen. Der Initiator der Bauhaus, Walter Gropius, war an der Gestaltung des Gebäudes beteiligt.

Architektur Das Museum, ein Werk des Architekten Alexander Cvijanovic, gehört mit seinen Betonkaminen, die zum Wahrzeichen der Institution geworden sind, zu den brutalistischen Bauwerken der deutschen Hauptstadt. Der Zugang erfolgt über ein Labyrinth von Stegen.

Aktualität Das Museum ist seit 2018 wegen umfangreicher Renovierungsarbeiten und des Anbaus eines Glasturms geschlossen und soll erst Anfang 2027 wiedereröffnet werden. In der Zwischenzeit empfängt ein provisorischer Raum
die Besucher (Knesebeckstraße 1) und die Institution organisiert mehrere Veranstaltungen, darunter Führungen über die Baustelle oder durch die Stadt. 

www.bauhaus.de

9. London

Im Bann von Wes Anderson

Geschichte Das Londoner Designmuseum wurde 1989 von Sir Terence Conran und Stephen Bayley gegründet, die auch hinter dem berühmten Boilerhouse stehen, einem Ausstellungsraum, der zum Victoria and Albert Museum gehört.

Architektur Nach fast dreissig Jahren in einem stillgelegten Bananenlager (!) zog das  Museum 2016 nach Kensington in das ehemalige Commonwealth Institute um, das rund zehn Jahre leer stand. Es wurde komplett umgestaltet und greift mit seiner Betonkuppel, die wie eine riesige Welle aussieht, die Codes des Brutalismus auf.

Aktualität Fans der Filmografie von Wes Anderson –«Moonrise Kingdom», «The Grand Budapest Hotel» oder «Isle of Dogs», um nur drei zu nennen – werden begeistert sein: Ab dem 21. November präsentiert das Museum eine umfassende Retrospektive seines fantasievollen und farbenfrohen Universums. Modelle, Requisiten, Polaroids, Marionetten und Kostüme sind bis zum 26. Juli 2026 zu sehen.

www.designmuseum.org

10. Zürich

Die Ästhetik des Alltags

Geschichte Das Museum für Gestaltung feiert dieses Jahr 150-Jahr-Jubiläum. 1875 ist es aus dem Kunstgewerbemuseum der Stadt Zürich hervorgegangen und zeigt Objekte des alltäglichen und künstlerischen Designs sowie der visuellen Kommunikation. Die grösste Designsammlung der Schweiz umfasst mehr als eine halbe Million Objekte zur Grafik- und Designgeschichte. Das Museum ist Teil der Zürcher Hochschule der Künste.

Architektur Das Museum bespielt zwei Standorte: am Toni-Areal und an der Ausstellungsstrasse, dem Stammhaus. Dieses wurde 1933 von Adolf Steger und Karl Egender errichtet und steht unter Denkmalschutz. Es gilt als Ikone des Neuen Bauens.

Aktualität Die Schweizerin Susanne Bartsch ist eine Stilikone und lebt seit 1981 in New York, wo sie Mode mit Clubkultur und Performance verbindet. Die Austellung «Susanne Bartsch – Transformation» nimmt die Gäste mit auf eine wilde Partynacht und zeigt, welche verwandlerische Kraft Mode haben und wie befreiend sie sein kann. Bis zum 7. Dezember.

www.museum-gestaltung.ch

Museumsbesuch einmal anders

Lange Zeit glichen Museen Schaukästen, deren grössten Schätze im Verborgenen lagen. Nur etwa fünf bis zehn Prozent der Bestände werden jeweils der Öffentlichkeit präsentiert, der überwiegende Teil der Exponate lagert gut geschützt vor Staub und Licht in Depots und wird nur selten oder bislang auch gar nicht ausgestellt.

Der Grund: zum einen die begrenzten Räumlichkeiten der Museen, zum anderen die traditionelle Art und Weise, Kunstwerke zu zeigen – kuratiert in Ausstellungen. Stücke, die thematisch nicht passen, sind dazu verdammt, ein Schattendasein zu fristen. Viel zu schade, sagen sich immer mehr Museen und öffnen ihre Archive und Depots. Wie zuletzt das Victoria and Albert Museum in London. Seit Mai können Interessierte im V&A East Storehouse rund 250 000 Objekte und 350 000 Bücher aus der Sammlung des Museums begutachten. Highlight ist das einstige Arbeitszimmer von Edgar J. Kaufmann Jr aus den 1930er-Jahren, das Stararchitekt Frank Lloyd Wright entworfen hat – komplett aus Sperrholz.

Zudem finden Workshops und Performances statt und man kann den Archivaren und Restauratoren bei der Arbeit zuschauen. Der Besuch eines Museumsdepots gleicht einem Blick durchs Schlüsselloch, hinter die Kulissen. Das architektonisch spektakulärste ist vielleicht das Depot des Museums Boijmans Van Beuningen in Rotterdam. Im November 2021 hat das Architekturbüro MVRDV ein Gebäude präsentiert das wie eine riesige verspiegelte Salatschüssel aussieht. Es rühmt sich, das erste Museumsdepot der Welt zu sein, das seine komplette Sammlung öffentlich begehbar gemacht hat. Ein knappes Jahrzehnt älter (von 2013) ist das von Herzog & de Meuron gestaltete Schaulager in Münchenstein bei Basel. Es ist der Öffentlichkeit jedoch nur während Ausstellungen zugänglich.