Der Sommer 2026 bringt den Preppy-Stil zurück. Präzise, beruhigend, fast schon beschützend.

Der Preppy-Stil, der lange Zeit mit der amerikanischen Ivy League assoziiert wurde, entstand in den 1950er-Jahren. Für eine privilegierte Jugend war Kleidung weniger eine Frage der Mode als vielmehr ein sozialer Kodex. Gestreifte Seidenkrawatten, marineblaue Blazer mit goldenen Knöpfen, makellose Oxford-Hemden, Baumwoll-Piqué-Polohemden oder lässig über die Schultern geworfene Pullover: All diese Kleidungsstücke sind zu Symbolen einer Eleganz geworden, die Zugehörigkeit, Disziplin und Kontinuität demonstriert.

Das 1965 von Teruyoshi Hayashida veröffentlichte Buch «Take Ivy» dokumentiert mit fast anthropologischer Präzision den Stil der US-Studenten jener Zeit. Es zeigt aber auch, dass der ursprüngliche Preppy keine steife Karikatur war, sondern eine natürliche Art, sich bewusst und ohne Prahlerei zu kleiden. Auch heute noch ist es diese Fähigkeit, mühelos zwischen Ernsthaftigkeit und Lockerheit zu wechseln, die den Stil so reizvoll macht. Der Pullover über den Schultern ist nicht nur ein ästhetisches Element, sondern signalisiert eine durchdachte Lässigkeit.

Das aktuelle Wiederaufleben des Preppy-Stils sagt viel über unsere Zeit aus. Je härter der Wind weht (Wirtschaftskrisen, politische Instabilität, soziale Unsicherheiten), desto grösser wird das Bedürfnis, sich «besser» zu kleiden. Wie eine Art weiche Rüstung vermitteln klare und strukturierte Silhouetten ein Gefühl von Kontrolle und Stabilität. Die Krawatte feiert ein Comeback, der Blazer umrahmt den Körper, das Hemd sorgt für einen geraden Gang. Kleidung wird zu einer Geisteshaltung.

Polos im Spiel

Wenn man an die Garderobe eines Preppys denkt, ist das Polohemd ein unverzichtbarer Klassiker. Erstmals war es Ende des 19.  Jahrhunderts auf britischen Polofeldern zu sehen,  dann wurde es in den 1920er-Jahren von Tennisspielern, die mehr Bewegungsfreiheit suchten, populär gemacht. Schnell wurde es zu einem Symbol für sportliche Eleganz. Auf amerikanischen Campussen angekommen, verkörperte es eine Disziplin, die bequem und niemals steif ist.

Heute wird das geschichtsträchtige Kleidungsstück durch die Brille der Gegenwart neu interpretiert. Bei Tory Burch (links) wird das Polohemd lässig getragen, ergänzt durch eine Brosche am Kragen. Bei Louis Vuitton (rechts) ist der Schnitt taillierter und betont eine Silhouette, bei der der Oberkörper im Vordergrund steht. Zwei Interpretationen, die daran erinnern, dass das Polohemd weit davon entfernt ist, in seinem Erbe zu erstarren, und ein Stilmarker bleibt.

Blazer mit Haltung

In der Welt der Preppys nimmt der Blazer einen zentralen Platz ein. Mit ihm verleiht man einer Silhouette Struktur und Eleganz, ohne jemals aufgebrezelt zu wirken. Als Erbe von Uniformen und Privatclubs durchläuft er die Epochen und passt sich den Gepflogenheiten des Alltags an. Der Blazer ist nicht mehr nur für formelle Anlässe reserviert.

Getragen mit einer passenden Hose, wie rechts bei Paul Smith, wirkt er seriös, ideal von morgens bis abends. In Kombination mit einer Jeans, wie links bei Celine, wirkt er freier, urbaner, fast schon lässig. Alles hängt also davon ab, welche Haltung man demonstrieren möchte. Der Schal, um den Hals gebunden oder unter den Kragen geschoben, verleiht dem Look eine besondere Note, die das Gleichgewicht verändert, und einen Hauch von Farbe, der immer willkommen ist, um den persönlichen Stil zu unterstreichen.

Das Hemd, Ihre Majestät

Mit dem Comeback des Preppy-Stils etabliert sich das Hemd erneut als Herzstück der Garderobe. Durch präzise Details und einen scheinbar traditionellen Look erfindet es sich jedoch neu. Links, bei Chanel, interpretiert das Hemd mit klassischem Kragen und Plastron die akademische Uniform in einer schlichten, fast minimalistischen Version, bei der Volumen und Material die ganze Arbeit leisten. Rechts, bei Dior, verwischt der offene Stehkragen, der durch eine kontrastierende Paspelierung dezent betont wird, die Grenzen zwischen formeller Eleganz und kontrollierter Lässigkeit.

Eine perfekt platzierte Naht, ein subtil abgewandelter Kragen, ein Finish, das als eigenständiges Stilmerkmal konzipiert ist. Das Hemd geht über seinen Status als Basic hinaus und wird zu einem Statement-Piece. Und wenn man lieber auf das gestickte Logo verzichtet, erscheint das Anbringen der eigenen Initialen als eine intimere Art, seine Silhouette zu betonen.

Pullover als Kontrast

Nicht klassisch getragen, und doch präsent: Über die Schultern gelegt, um den Hals gewickelt oder einfach griffbereit gehalten, begleitet der Pullover durch lange Sommerabende. Er dient nicht in erster Linie dazu, warm zu halten, sondern um ein Outfit zu vervollständigen und ihm einen nonchalanten Look zu verleihen, sich wohlzufühlen und gleichzeitig auf Details zu achten.

Mehr als das Kleidungsstück selbst ist es die Art und Weise des Tragens, die den Unterschied ausmacht. Die Farbe bestimmt die Ausstrahlung. Ein knalliger Pullover, wie bei Auralee auf der linken Seite, macht sofort gute Laune und belebt ein schlichtes Outfit. Sanftere Töne, wie bei Bottega Veneta auf der rechten Seite, fügen sich natürlich ein und verstärken den Eindruck von Komfort. In jedem Fall wird der Pullover zu einem diskreten, aber unverzichtbaren Begleiter für den Abend, der eine bestimmte Vorstellung von Sommer und Stil vermittelt.

Freiheit für die Krawatte

Lange Zeit war die Krawatte auf die formelle Garderobe beschränkt. In dieser Saison wird sie zum beliebtesten Accessoire des Preppy-Stils. Sie ist überall auf den Laufstegen zu sehen, wie oben bei Armani, und löst sich aus ihrem strengen Rahmen. Geschmeidig, manchmal fast weich, scheint sie aus der Garderobe des Grosi entlehnt zu sein und ist eher mit emotionalen Erinnerungen als mit einem strengen Protokoll verbunden.

Heute wird die Krawatte locker getragen. In die Hose gesteckt, den Gürtel streifend oder kaum darüber hinausragend, stört sie bewusst die Lesbarkeit des Outfits. Sie wagt auch den Kontrast (geometrische Muster, versetzte Streifen, gedeckte oder bewusst disharmonische Farben) zum Rest des Outfits. Mehr als ein Symbol der Autorität wird sie zu einem Augenzwinkern, einem fast frechen Akzent, ohne jemals die Oberhand zu gewinnen. In einer Zeit, in der die Preppy-Codes lockerer werden, ohne gänzlich zu verschwinden, verlangt die Krawatte nur eines: angenommen zu werden und vielleicht endlich wieder zu lernen, wie man sie bindet.