
Die Haarpflege wird aufwendiger - und die Kopfhaut rückt in den Fokus.
Auf dem Rand der Badewanne steht ein ganzes Arsenal: Shampoo, Spülung, Haarkur – die Klassiker. Aber sie haben Zuwachs bekommen. Um sie herum reihen sich Neuzugänge: ein erstes «Peeling»-Shampoo, um die Kopfhaut – genau wie ein Gesichtspeeling – von Rückständen zu befreien, ein Serum zur Stimulierung der Haarwurzeln, ein flüssiges Gloss, um den Längen einen Glanz «wie das Funkeln eines Diamanten» zu verleihen. Eine Armada von Behältern mit tollkühnen Versprechungen. Und dies ist nur der Teil der Haarpflege, der unter der Dusche stattfindet. Wir sprechen noch nicht von den Pflegeprodukten, die nach dem Waschen zum Einsatz kommen: Öle, Cremes, Hitzeschutz beim Föhnen, Seren, die so konzentriert sind, dass die Grösse der Flaschen mit denen der Hautpflege konkurriert.
Die Gefühle sind gemischt. Einerseits wünscht man sich eine Haarpracht, die so gepflegt ist wie nach einem Coiffeurbesuch. Andererseits hat man Angst, etwas falsch zu machen: die Reihenfolge der Anwendung, die Handgriffe, die Einwirkzeit. Der Verkäufer hatte es doch erklärt: Bei trockenem Haar zuerst das Gloss auftragen und dann mit dem Scrub abschliessen – oder war es umgekehrt? Mist!
Die Haarpflege in den eigenen vier Wänden erlebt derzeit einen bemerkenswerten Aufschwung. Lange Zeit waren Masken und Haarspülungen allein für glänzendes und gesund aussehendes Haar verantwortlich. Neu wird sowohl auf die Haarwurzel als auch auf die Haarfaser eingewirkt, um langfristig gesundes Haar zu erhalten. «Wir waschen die Haare nicht mehr nur, damit sie schön aussehen, sondern um die Voraussetzungen für ihre langfristige Gesundheit zu schaffen», fasst Christelle Duhamel zusammen, Haarexpertin bei Salon & Spa Capillaire René Furterer. Der Schwerpunkt der Pflege verlagert sich: vom sofortigen Ergebnis zur Vorbeugung, vom Sichtbaren zum Aufbauenden.
Das Übel an der Wurzel packen
Alles beginnt mit der Kopfhaut. Das Peeling – oder die Detox-Pflege – etabliert sich als neuer Schritt im Pflegeritual. Eine Art Haarpeeling, das die Haut reinigen und klären soll. Trichologin Vicky Terry (ja, so heisst die Wissenschaft der Kopfhaut) mahnt jedoch zur Vorsicht: «Kopfhautpeelings sind an sich nicht schlecht, aber sie dürfen nicht wahllos angewendet werden. Ein Peeling ohne Fachkenntnis kann das Gegenteil des gewünschten Effekts bewirken.» Denn Kopfhaut ist nicht gleich Kopfhaut. Nur weil die Längen trocken sind, heisst es nicht, dass auch die Haarwurzeln trocken sind. Und nur weil es juckt, bedeutet es nicht, dass die Haut zu wenig Feuchtigkeit hat.
«Man kann nicht wissen, woran eine Kopfhaut leidet, ohne sie anzuschauen. Das ist unerlässlich», betont die Spezialistin. Eine Analyse ermöglicht es somit, festzu-stellen, ob ein Peeling erforderlich ist – oder im Gegenteil nicht zu empfehlen ist. Was die Marken angeht, so zielen die Diagnosen im Salon darauf ab, den tatsächlichen Zustand der Kopfhaut vor jeder Empfehlung objektiv zu beurteilen. «Durch die Analyse von Parametern wie Dichte, Verankerungsqualität oder Gleichgewicht der Kopfhaut ermöglichen diese Instrumente eine frühzeitige und gezieltere Routine», ergänzt Duhamel.
Die Längen nicht vernachlässigen
Ein weiterer Star in den Regalen: Seren, die direkt auf die Kopfhaut aufgetragen werden und als Mittel gegen Haarausfall oder zur Stimulierung der Haarwurzeln angepriesen werden. Auch hier ist Vorsicht geboten. «Haarausfall ist niemals eine Ursache, sondern eine Folge», erklärt Terry. «Ein Serum aufzutragen, ohne den Zustand der Kopfhaut zu kennen, ist wie eine Pflanze zu düngen, ohne zu wissen, warum sie kränkelt.»
Die Pflege der Haarwurzeln reicht jedoch nicht aus. Auch die Haarfasern haben spezifische Bedürfnisse. «Ein Haar kann sehr gut wachsen und dennoch in den Längen brüchig werden», sagt Duhamel. «Die Spitzen sind der älteste und am stärksten exponierte Teil: Sie zu pflegen, zu reparieren und zu schützen, trägt dazu bei, die Substanz, den Glanz und die Haltbarkeit des Haares langfristig zu erhalten.» Daher ist es wichtig, die Rollen zu unterscheiden: Seren dienen der Verankerung und der Stimulation, Masken und gezielte Pflegeprodukte der Reparatur und der Stärkung der Haarfasern. «Mehr Schritte bedeuten nicht, dass man die Pflege unnötig kompliziert, sondern dass man sie an jeden Bereich anpasst, genau wie man es beim Gesicht mit Reinigung, Serum und Creme macht.»
Kein Wunder, gibt es in diesem Bereich zahlreiche Neuzugänge, wie etwa bei Dyson: Die Marke hat ihr Sortiment an Haartrocknern um Haarpflegeprodukte erweitert. Die neue Kopfhautpflege Amino wird aus Gerste hergestellt, die auf den eigenen Farmen angebaut wird. Dieser ganzheitliche Ansatz erinnert an die Routinen der Gesichtspflege. Reinigen, pflegen, schützen: Die Logik ist dieselbe. Und wie bei der Haut befasst sich die Haarforschung nun auch mit biologischen Rhythmen, wie beispielsweise die Produkte von René Furterer zum zirkadianen Rhythmus des Haares während der Nacht. Fortsetzung folgt …







