
Wenn man nur eine nennen müsste, wäre es die Chanel-Modenschau. Sie bot einen neuen Blickwinkel, der von der Modewelt während der gerade zu Ende gegangenen Modewochen in New York, Mailand und Paris gefeiert wurde.
Dunkle Limousinen, Chauffeure im Anzug, zuschlagende Türen. Vor der Rue Cambon – die den Geist von Gabrielle Chanel verkörpert – steigt man aus und verschwindet hinter den Schaufenstern. Man kommt wieder heraus, die Einkaufstasche in der Hand, das Gesicht von einem dezenten Lächeln erhellt. Bei Chanel ist etwas im Wandel begriffen, ein Phänomen, das die Luxusbranche schon lange nicht mehr erlebt hat. Eine Art Begeisterung, fast schon ein Ansturm.
Die sozialen Netzwerke sind sich einig: Chanel-Mania! Was ist los? Anfang März kommt die allererste Kollektion von Matthieu Blazy in die Pariser Boutique. Matthieu wer? Der französisch-belgische Designer, der für die Marke Bottega Veneta mit viel Fingerspitzengefühl gearbeitet hat, wurde engagiert, um das Werk des unersetzlichen Karl Lagerfeld und später von Virginie Viard bei Chanel fortzuführen. Seine erste Kollektion für den Sommer 2026 verwandelt die Chanel-Boutiquen in Reiseziele. Manche Kundinnen kommen für einen Tag aus New York. Andere fliegen aus Seoul oder Peking ein. Alle verfolgen dasselbe Ziel: das Paar Schuhe, die Tasche, den Blazer zu finden, das sie im Oktober auf dem Laufsteg gesehen haben.

In dieser elektrisierenden Atmosphäre fand am Montag, dem 9. März, die Chanel-Modenschau für den kommenden Herbst im Grand Palais in Paris statt. Unter dem monumentalen Glasdach wählte Matthieu Blazy als Ausgangspunkt einen Satz von Gabrielle Chanel, den sie in den 1950er Jahren geäussert hatte. Die Modeschöpferin erklärte, dass sie für zwei Frauentypen entwarf: diejenigen, die arbeiten, und diejenigen, die sich vergnügen. Sie fasste diese Dualität mit einem einfachen Bild zusammen: der Raupe und dem Schmetterling.
Das Bühnenbild der Modenschau kündigt diese Verwandlung an: Metallkräne zeichnen eine Baustellenlandschaft. Unbewegliche Strukturen, industrielle Linien. Alles erinnert an Bauwesen, an ständigen Wandel. Beim ersten Durchgang ein Kostüm aus tiefschwarzem Strick. Es folgen entschlossen Tweedröcke, Wollkostüme, Hosen-Blusen-Kombinationen. Das ist die Frau von heute, die arbeitet, die baut, die voranschreitet. Die Raupe.
Die Garderobe ist solide und von einer pragmatischen Eleganz geprägt. Und doch ist alles leichter, als es scheint … Die Outfits bestehen aus zahlreichen Schichten, die so fein sind, dass sie fast immateriell wirken. Die Tweeds sind leichter, die Wollstoffe lassen das Licht durchscheinen. Alles wirkt luftig, als würde das Material selbst bereits die Verwandlung vorbereiten.


Plötzlich vollzieht sich die Verwandlung. Die Stoffe und Haare der Models schimmern in schillernden Farbtönen, die Stickereien leuchten, die Farben explodieren! Rosa! Grün! Blau! Die Silhouetten entfalten sich und fangen jeden Lichtstrahl ein. Die Chanel-Frau verlässt den festen Boden, der Schmetterling erhebt sich in die Lüfte. Allmählich kehrt die ursprüngliche Ruhe in die Linien zurück, das Schwarz kehrt zurück, wie ein Kreislauf, die letzten Passagen schließen die farbenfrohe Episode ab und schaffen den Ausgangspunkt neu.
Denn im Grunde genommen ist es genau das, was diese Modenschau erzählt: eine ständige Bewegung, ein ständiges Schwanken zwischen Disziplin und Freiheit, Arbeit und Vergnügen, Strenge und Glanz. Die Raupe. Der Schmetterling. Der ewige Neubeginn.

