Im Vorfeld der Fifa WM 2030 stellen wir neue und alte Lieblinge vor. Vorfreude ist ja bekanntlich die Schönste.

1. Amanjena

Hoteloase am Rande der Stadt

Der Ort Die «Aman»-Hotels sind bekannt für ihre Vorreiterrolle, Häuser an Orten zu eröffnen, die unentdecktes Terrain sind. Wie dieses: Das von Ed Tuttle designte «Amanjena» war eines der ersten Luxushotels in Marrakesch, dieses Jahr feiert es sein 25-Jahr-Jubiläum und hat sich gleich mehrere Geschenke gemacht: das neue italienische Restaurant «Arva», ein neues Gym samt Yogaraum und eine sanfte Renovation der Pavillons. Ja, richtig gelesen, hier schläft man nicht in einfachen Zimmern, viele Pavillons besitzen sogar ihren eigenen Pool.

Das Highlight Zirka 15 Minuten ausserhalb von Marrakesch gelegen, ist das Hotel eine Oase der Ruhe und der perfekte Ort, um nach einem trubeligen Tag in der Medina abzuschalten. Um am grossen Pool zu entspannen oder bei einem Apéro am Bassin, das aus dem 12. Jahrhundert stammen soll. Alternativ kann man sich auch sportlich-meditativ betätigen: Das Amanjena grenzt direkt an einen Golfplatz.

www.aman.com

2. Farmers

Farm-to-Table in Bestform

Der Ort Das «Time Magazine» lobte das «Farmers» als einen der «World’s Greatest Places 2025». Das Restaurant im angesagten Stadtteil Gueliz hat erst im September 2024 eröffnet, schon jetzt gehört es zu den Lieblingen der Einheimischen. An Nussbaum-tischen mit Marmor speist man von handgefertigten Keramiktellern, an den Wänden hängen Gemälde der Künstlerin Sarah Edwards. Der marokkanische Chefkoch Driss Aloui ist Autodidakt, er und sein Team stehen hinter der offenen Küche des «Farm-to-Table»-Restaurants. Es ist in einem Art-déco-Gebäude untergebracht. In der Arkade befindet sich auch das ausgezeichnete «Blue Ribbon Café».

Das Highlight Inhaber Aziz Nahas aus Casablanca war früher Banker, bevor er sich aufgemacht hat, die Food-Szene von Marrakesch aufzumischen – mit nachhaltigen Lebensmitteln, die alle von seiner Permakulturfarm Sanctuary Slimane am Rande der Stadt stammen.

www.farmersmarrakech.com

3. Petanque Social Club

Cool Kid in Town

Der Ort Ebenfalls in Gueliz befindet sich dieser Hotspot. Hinter dem «Petanque Social Club» steht der Gastronom Kamal Laftimi. In der Medina hat er bereits mit «Le Jardin», «Café des Epices» und «Nomad» Kultorte geschaffen. Nun also einen neuen ausserhalb des Touristentrubels. Gueliz ist das ehemalige French Quarter, heute kommen vor allem Einheimische, um in den hippen Bars und Restaurants zu trinken und zu speisen. Schon in den 1930er-Jahren befand sich in dem Art-déco-Cine-Palast ein Petanque-Club, diesem wollte man Hommage zollen. Mit Terrazzoböden, Vintage-Möbeln, Samtvorhängen und Kristall-leuchtern. Von dieser Pracht ahnt man von aussen nichts – kein Schild weist auf das Etablissement hin.

Das Highlight So unterschiedlich und sehenswert die einzelnen Räume auch sind, es ist vor allem der verwunschene Innenhof, der abends von hunderten Kerzen beleuchtet wird, der sowohl Tag- als auch Nachtschwärmer anzieht.

www.pscmarrakech.com

4. YSL Museum

Mode und andere Künste

Der Ort Dieses Museum ist eine Liebeserklärung an den französischen Modedesigner. Ursprünglich wollten Yves Saint Laurent und sein Partner Pierre Bergé 1966 nur einen Monat in Marrakesch verbringen, die beiden verliebten sich aber Hals über Kopf in den Ort und kauften ein Haus. Es diente den beiden als Zufluchtsort und Inspirationsquelle. Zahlreiche seiner Kollektionen entwarf Saint Laurent hier. Nach seinem Tod gab Bergé das Museum in Auftrag, um seine  Zeichnungen und Entwürfe auszustellen. Seit Herbst 2017 präsentiert es einen wichtigen Teil der Pariser Fondation, die mehr als 500 Kleidungsstücke und 15 000 Haute-Couture-Accessoires umfasst. Das Gebäude wurde vom Studio KO entworfen und grenzt an den berühmten Jardin Majorelle.

Das Highlight Natürlich steht die Dauerausstellung über Saint Laurent im Fokus, Bergé wollte das Museum aber explizit als  Kulturzentrum konzipiert wissen, in dem auch die Werke von anderen Kunstschaffenden gezeigt werden. Derzeit die Fotografien von David Seidner.

www.museeyslmarrakech.com

5. V. Barkowski

Was das Zuhause kuscheliger macht.

Der Ort Slow Shopping ist das Kredo dieses Concept- Stores in der Medina, in dem hochwertige Heimtextilien einen grossen Platz einnehmen. Er befindet sich direkt neben dem legendären Interieur-Tempel Mustapha Blaoui. Inhaberin Valérie Barkowski kam 1996 nach Marokko, die Kreative mit belgischen Wurzeln führt auch ein Gästehaus, ihr Store in der Altstadt ist Anlaufstelle für Architekten und Designer aus der ganzen Welt. Barkowski arbeitet auch als Interior Designerin, für die Galeries Lafayette in Paris hat sie eine Möbellinie designt.

Das Highlight Barkowski ist eine waschechte Weltenbürgerin, etliche Jahre reiste sie rund um den Globus, angetrieben von Neugier für fremde Kulturen. Was sie von ihren Reisen mitgebracht hat: jede Menge Inspiration für die von ihr designten Tischdecken, Bettwäsche und Handtücher. Der Besuch von Berberfrauen im Norden Marokkos, in den Rif-Bergen, brachte sie auf die Idee, viele ihrer Produkte mit Stickereien zu verzieren. Natürlich fehlen auch die typischen Bommeln nicht. 

www.valeriebarkowski.shop

6. Villa Aaron

Zeitreise mit Schlemmfaktor

Der Ort Die einstige Familienresidenz aus dem Jahr 1936 hat ihre Türen seit vergangenem Jahr für alle geöffnet. Das Restaurant zeichnet sich nicht nur durch eine hervorragende Fusion-Küche aus, sondern ist auch ein optischer Leckerbissen: florale Mosaike, Lampenschirme mit Fransen, antike Möbel  … Jeder Raum ist mit viel Liebe zum Detail gestaltet worden. Der Besuch ist ein Erlebnis, egal ob man zum Lunch, wenn die Sonne in den Innenhof scheint, oder zum Abendessen einkehrt, wenn der Patio in sanftes Licht gehüllt ist. Am Herd steht Luisma Naranjo, er kombiniert mediterrane Gerichte mit marokkanischen Einflüssen, etwa geröstete Randen mit Ziegen-Labneh und Dukkah mit Trockenfrüchten. Regelmässig finden auch Livekonzerte statt oder legen DJs auf.

Das Highlight Wir lieben Orte mit Geschichte, und diese ist besonders schön: Nachdem die Amazoz-Gruppe das einstige Haus von Baba Aaron Amzallag aufkaufte, kontaktierte sie seine Enkelin Jordana, die extra aus Kalifornien einflog, und half, den Originalcharakter des Hauses zu rekonstruieren.

www.villa-aaron.com

7. Tipi

Showroom mit Atelier

Der Ort Dieser Concept-Store befindet sich im Industrieviertel Sidi Ghanem (mehr Informationen siehe Kasten), man müsste für die gezeigten Produkte nicht zwangsläufig nach Marrakesch reisen, es gibt auch eine Boutique in Bordeaux. Aber so kann man gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, ist Marrakesch doch stets eine Reise wert. Alle Kleider, Schuhe und Schmuckstücke werden vor Ort entworfen und gefertigt. Der 200 Quadratmeter grosse Showroom stellt auch Möbelstücke und Teppiche aus. Die Kleidungsstücke haben traditionelle marokkanische Elemente, sie sind aber mit einem modernen Twist versehen, bei vielen Hosen, Röcken oder Blusen handelt es sich um Unikate. 

Das Highlight Der Showroom befindet sich im Erdgeschoss, es lohnt aber, einen Blick nach oben zu werfen: Durch eine grosse Fensterfront kann man den Mitarbeitenden beim Nähen, Schneidern und Sticken zuschauen. Lokales Handwerk wird in Marrakesch an allen Ecken und Enden zelebriert. 

www.tipi-bijoux.fr

8. +61

Australische Leichtigkeit

Der Ort Man könnte sagen, sie ist ein kleiner Tausendsassa: Bevor die Australierin Cassandra Karinsky nach Marrakesch zog, arbeitete sie als Restaurantberaterin in Sydney, New York und Chicago. In Marokko gründete sie zunächst ein Kaftanlabel und betätigte sich als Personal Shopperin sowie als Stylistin für Wohnhäuser und Apartments. Heute ist sie nicht nur Inhaberin des Homeware-Labels Kuchi, sondern führt gemeinsam mit Sebastian de Gzell, Co-Inhaber des «Nomad», auch das beliebte Restaurant «+61» in Gueliz – benannt nach der Vorwahl Australiens. Das minimalistische Design bildet einen optischen Gegenpol zu den vielen Farben in der Medina. Die Gerichte sind genauso leicht, wie die Einrichtung luftig ist: Salate, Pasta, Fisch, die Karte wechselt entsprechend den Zutaten des Tages.

Das Highlight Die schönen Messinglampen vom lokalen Designer Kader Oudainia würde man am liebsten direkt zu Hause aufhängen. Sie fügen sich perfekt in die puristische Einrichtung des Restaurants.

www.plus61.com

9. Boutique 170

Kaftane, Kunst und Düfte

Der Ort Die schlichten, aber eleganten Kleider, Hosen und Blusen von Inhaberin Bushratari  – das nach ihr benannte Label heisst Barbara Marrakech – werden auch im Kult-Concept-Store 33 Rue Majorelle verkauft, vor einem Jahr hat die Modedesignerin zudem ihren eigenen Store eröffnet, in dem auch ausgewählte Kunst, Schmuck und Düfte präsentiert werden. Vor allem sind aber die Kaftane aus Seide echte Liebhaberstücke. Die bunten, aber zugleich eleganten Oversize-Entwürfe sind sowohl tagsüber als auch als Abendgarderobe tragbar. Sämtliche Kleidungsstücke werden in Marokko gefertigt.

Das Highlight Der hochstehende Mao-Kragen ist ein Signature-Detail der Kleider und Blusen. Es handelt sich um einen schmalen Stehkragen, der als dünnes Stück Stoff gerade am Hals entlangläuft. Inspiriert ist er vom traditionellen chinesischen Mao-Anzug und wird auch als Mandarinkragen bezeichnet. Beamte der Qing-Dynastie trugen ihn als Teil ihrer Uniform.

instagram @barbaramarrakech

10. L’Meda

Fusion-Küche mit Aussicht

Der Ort Vorweg müssen wir Sie warnen: Ohne eine Reservierung geht in diesem angesagten Restaurant so gut wie gar nichts. Es ist eines der Lieblinge bei Einheimischen und Touristen und befindet sich im Herzen der Medina. Die beiden Freunde Omar und Simo haben es gegründet, um einen schicken, aber zugleich entspannten Ort mitten in der Altstadt zu schaffen. Der Name des Restaurants bedeutet «Tisch» im marokkanischen Dialekt Darija. Davon gibt es 30 in dem zweistöckigen Lokal, das ausgezeichnete marokkanische Fusion-Gerichte serviert. Die Lamm-Tajine ist der Bestseller, gepaart mit einem der vielen Mocktails – serviert «L’Mida» doch keinen Alkohol.

Das Highlight Keine Frage, Höhepunkt ist im wahrsten Sinne des Wortes die begrünte Dachterrasse, die einem kleinen Dschungel gleicht – es handelt sich um eine der höchsten Marrakeschs, der Blick schweift von hier aus weit über die Medina. In der Ferne erhebt sich das Atlasgebirge. Besonders schön ist ein Besuch, wenn die Sonne langsam untergeht und alles in weiches rosafarbenes Licht taucht. 

Einst ein Ort der Industrie, langsam ein Hotspot

Grosse Ereignisse werfen bekanntlich ihre Schatten voraus – so auch in Marrakesch. Neben Spanien und Portugal ist Marokko eines der drei Hauptgastgeberländer der Fifa WM 2030 der Männer. Es ist das erste Mal, dass die Fussballweltmeisterschaft in Nordafrika stattfindet. Für die Premiere rüstet sich das Land schon jetzt. Neue Stadien werden hochgezogen, und überall weht ein frischer Wind. Auch Marrakesch hübscht sich für die Fifa WM 2030 auf, vor allem wird kräftig in die Infrastruktur investiert. Es werden neue Strassen gebaut, zudem entstehen neue Hotels und Riads

Besonders stark ist die Veränderung im Stadtteil Sidi Ghanem zu spüren, im Norden Marrakeschs. Das Industriequartier liegt etwa fünf Kilometer ausserhalb der Stadt, früher gelangte man über staubige Wege zu den grossen Industriehallen. Seit Kurzem sind die Strassen befestigt. Da die Wege zwischen den einzelnen Adressen teilweise lang sein können, lohnt es sich, einen Fahrer für einen halben oder ganzen Tag zu engagieren, um die Showrooms, Designstores, Galerien und Concept-Stores wie LRNCE Studio (die Inhaberin und Namensgeberin Laurence hat gerade eine Kollektion mit dem angesagten australischen Label Alémais lanciert), Chabi Chic oder Shkoon zu erkunden. Sidi Ghanem hat sich im Laufe der Zeit als Designviertel etabliert und ist ein Magnet für Interior Designer und ein echtes Paradies, wenn man Inspiration fürs eigene Zuhause sucht.

Anders als in der Medina sind alle Preise fix, und man kann auch mit der Kreditkarte zahlen. Die meisten Geschäfte verschicken ihre Ware nach Europa. Auch wenn Sidi Ghanem das Design District ist, erwarten Sie keine durchgestylte Gegend, im Gegenteil. Alles mutet immer noch nach Industriequartier an, aber langsam siedeln sich auch erste Lokale an, in denen man eine Verschnaufpause einlegen kann. Etwa die schicke «Hesperis Coffee Factory». Inhaber Karim Ramzi ist Modefotograf, hat also ein Auge für Ästhetik. Nach Jahren in Paris kehrte er in seine Heimat zurück, um eines der wenigen Kaffeehäuser zu eröffnen, die auf Spezialitätenkaffee fokussieren. Oder das Restaurant «Jajjah«, in dem es fröhlich-bunt zugeht und an das eine Boutique angeschlossen ist.