Zwischen klaren Linien und präzisen Formen beschreitet der französische Designer einen Weg, der sich durch bewusste Schlichtheit auszeichnet.

In der gedämpften Stille des Molteni-Flagship-Stores in Genf schlendert der Mann zwischen seinen Kreationen umher. Ein halb aufgeknöpftes Hemd, eine Raw-Denim-Jeans, eine Flasche Coca-Cola, die er fröhlich zwischen den Fingern hin- und herschwingt. Ein herzlicher Händedruck und eine kurze Vorstellung: «Christophe», ganz einfach.

Hinter dieser Schlichtheit verbirgt sich einer der angesehensten französischen Designer seiner Generation, der dem Handwerk und den Materialien treu bleibt, statt Trends zu folgen. Ausgebildet als Töpfer, wechselte er zum Theater, bevor der autodidaktische Künstler schliesslich sein ganzes Talent im Design entfaltete.

Auch wenn sich sein Atelier nach wie vor im 7. Arrondissement von Paris befindet, hat sich Delcourt mittlerweile mitten auf dem Land in der Normandie niedergelassen, auf einem Anwesen, das sich über rund 60 Hektar erstreckt. Seine besten Verbündeten? Langeweile und Stille. Momente, in denen plötzlich die Kreativität anspringt und alles Gestalt annimmt.

Wir sitzen auf einem Ihrer neuesten Entwürfe für Molteni, dem Sofa Emil (Foto). Wie ist es entstanden?

Sie werden lachen, aber ich sitze zum ersten Mal darauf! Für dieses Sofa habe ich mir eine Welle vorgestellt, die in einen Rahmen eingebettet ist. Ich bin ein strukturierter, organisierter Mensch, aber ich mag es, wenn die Kanten weicher werden.

Warum ist Holz Ihr Lieblingsmaterial?

Es hat etwas Poetisches: Jedes Brett ist anders. Diese Einzigartigkeit berührt mich. Ich mag besonders Eiche. Ich bearbeite immer die Textur, die Farbe und die Optik.

Inwiefern inspiriert Sie das Material?

Bei mir zu Hause sind die Stämme der Bäume miteinander verwachsen. Dieses Bild hat mich zum Tisch Nin (Foto) inspiriert. Formen, die sich annähern und vereinen.

Ist dieser Kontakt zur Natur auxh für Ihr inneres Gleichgewicht unerlässlich?

Absolut! Ich brauche die freie Natur, ich kann mir ein Leben in der Stadt gar nicht mehr vor-stellen. Ich reite viel und liebe die Verbindung zum Pferd. Übrigens träume ich von einem Hermès-Sattel (Foto)! Das Leder ist so geschmeidig, die Sättel sind sehr elegant.

Gibt es bei Ihnen zu Hause einen Gegenstand, an dem Ihnen besonders viel liegt?

Ich mag Keramik sehr, besonders die Arbeiten der französischen Künstlerin Isabelle Roux (Foto). Sie formt sehr grosse Objekte, die vollständig von Hand gefertigt sind.

Das leben auf dem Land klingt herrlich. Machen Sie trotzdem ab und zu Ferien?

Zu Hause habe ich schon das Gefühl, in den Ferien zu sein, da ich von meiner Familie und meinen Freunden umgeben bin. Aber ich muss einmal im Jahr ans Meer fahren, um zu schwimmen. Ich fahre gerne auf das Anwesen Domaine de Murtoli (Foto) auf Korsika. Ein Ort von atemberaubender Schönheit  …