Eine liane um den Knöchel, eine lackierte Palme auf dem Absatz, eine tropische Blume auf jadegrünem Satin: Plötzlich geht der Fuss nicht mehr, er wächst. Die aktuelle Begeisterung für Schuhe mit Motiven und Formen tropischer Blätter hat etwas zutiefst Hoffnungsfrohes. Nach Saisons, die von klinischem Minimalismus geprägt waren, bringt die Mode plötzlich wieder Lebendigkeit zurück. Sandalen ranken um den Fuss und entfalten sich dort.

Wenig überraschend geht der irische Designer Jonathan William Anderson besonders forsch voran. Man wusste, dass er ein Schelm ist, nun verbindet er Blatt und Schuh zu einem poppigen, skulpturalen Objekt: leuchtendes Grün, übertriebene Volumen, gerippte Riemen, als stammten sie von einer mutierten Pflanze. Anderson verwandelt ein potenziell kitschiges Motiv in ein Modemanifest. Bei Saint Laurent zelebriert man die nächtlichen Tropen. Spitz zulaufende Absätze, Seide, die wie feuchte Palmenblätter verarbeitet ist, sinnliche, fast gefährliche Silhouetten.

Diese üppige Vegetation, die auf das urbanste Accessoire angewendet wird, sagt viel über unsere Zeit aus: Je digitaler die Welt wird, desto mehr träumt die Mode von Chlorophyll. Wir fantasieren nicht mehr nur von Luxus, sondern von Flucht aus dem Alltag. In der Üppigkeit liegt auch eine Ablehnung des braven Geschmacks, der lange Zeit die zeitgenössische Silhouette dominierte. Als ob die Kreativität der Designer, müde vom Purismus, beschlossen hätte, endlich wieder aufzublühen. 



Pumps, Saint Laurent




Absatzsandale Acai, Carel Paris