
Niemand betritt die Manufaktur. Ausgeschlossen! Die handwerklichen Techniken, mit denen dort Blumen und Arabesken auf Textilien – oder seit Kurzem auch auf Tapeten – aufgebracht werden, sind seit Jahrzehnten streng geheim. Am Produktionsstandort von Fortuny auf der Insel Giudecca in Venedig begnügt sich der Besucher daher damit, durch die wunderschönen Gärten zu schlendern und über die Stoffe im Showroom zu streichen.
In einem Backsteingebäude bewahrt das Haus Fortuny hier seit 1921 den extravaganten Geist des Künstlers Mariano Fortuny y Madrazo und seiner Ehefrau und Muse Henriette Negrin. Er, 1871 in Granada geboren, war ein Maler, der sich leidenschaftlich mit Farbforschung beschäftigte und unzählige Theaterkulissen entwarf. Gemeinsam mit seiner Frau entwickelte er einen neuen Ansatz in der Textilkunst, mit Farben und Drucken, die stets opulent und spektakulär waren. Die Erben seines Unternehmens bieten nach wie vor Bademäntel in schillernden Farbtönen, Lampen mit Plissee-Effekten und Vorhänge mit Goldverzierungen in Boutiquen weltweit an.
Heute erweitert das Haus dieses bunte Universum bis an die Wände von Privathaushalten und Hotels. Zum ersten Mal präsentiert es Tapeten, die von den Archiven inspiriert sind. Die historischen Muster werden in eine moderne Sprache übersetzt, etwa mit Prägelederoptiken und Goldapplikationen.
Die Kollektion wurde in Zusammenarbeit mit der San Patrignano Casa d’Arte entwickelt, einer Gemeinschaft, die in ihren Kunstwerkstätten junge Menschen aufnimmt, die gegen ihre Sucht kämpfen. Dieses Rehabilitationsprogramm durch aussergewöhnliches Kunsthandwerk besteht seit fast 50 Jahren. Rund 100 Kunsthandwerker arbeiten nun daran, diese zeitlosen Motive des Glücks wieder zum Leben zu erwecken.
Tapeten, 150 Motive, Preis je nach Modell und auf Anfrage, Fortuny, www.fortuny.com
