
Der gefeierte zeitgenössische Künstler Jeff Koons hat erstmals Uhren entworfen. Und bringt damit seine Vision von Menschlichkeit zum Ausdruck.
Jeff Koons in zehn Werken
Das Publikum kennt vor allem die «Balloon Dogs», doch der amerikanische Künstler hat noch viele weitere verrückte Werke geschaffen, die zum Schmunzeln und Nachdenken anregen! Ein kurzer Überblick.

1. 1980–1983: The New, zum Beispiel der Nelson Automatic Cooker
In dieser Phase erhebt Jeff Koons Gebrauchsgegenstände und Industrieprodukte – Staubsauger, Wasserkocher, Lautsprecher, Heizkörper – zu Kunstwerken, indem er sie aus ihrem ursprünglichen Kontext löst. Eine Reflexion über die Konsumgesellschaft und eine Dekonstruktion des Schönheitsbegriffs.

2. 1979 Inflatables
Zur gleichen Zeit beginnt er, täuschend aufgeblasene Objekte zu schaffen, darunter zahlreiche Blumen aus Vinyl, die den Effekt von Jahrmarktballons nachahmen. Die Werke wirken kindlich und bergen zugleich philosophische Tiefe: Sie hinterfragen das Verhältnis von Innen und Aussen und spielen mit trügerischen Erscheinungen.

3. 1986 Rabbit
Das aufgeblasen wirkende Kaninchen markiert seinen Durchbruch zum Ruhm. Statt Kunststoff verwendet Koons nun hochglanzpolierten Edelstahl mit Spiegeleffekt, der der Skulptur den Status eines Luxusobjekts verleiht.

4. 1988 Michael Jackson and Bubbles
Jeff Koons widmet sich Ikonen der Populärkultur. Mit seinen goldenen Skulpturen hinterfragt er unser Verhältnis zum Kitsch.

5. 1990-1991 Blow Job/Kama Sutra
Damals mit der Erotikdarstellerin La Cicciolina verheiratet, schuf Jeff Koons die äusserst explizite Werkserie Made in Heaven, zu der auch Glasskulpturen gehören. Mit Ironie verwischt er die Grenzen zwischen Populärkultur und Kunst.

6. 1994 Ballon Dog
Der monumentale Balloon Dog ebnet den Weg für eine Reihe gigantischer Werke: die Serie Celebration. Ihre Herstellung erfordert eine regelrechte Fabrikorganisation und die Zusammenarbeit zahlreicher Handwerker, die auf unterschiedliche Techniken spezialisiert sind.

7. 2000 Split-Rocker
Dieser riesige Kopf, halb Pferd, halb Dinosaurier, ist eine 12 Meter hohe Formschnittskulptur mit einem Stahlgerüst und integriertem Bewässerungssystem. Im Frühling und Herbst muss sie mit 50’000 Stiefmütterchen, Begonien und anderen Steinkräutern neu bepflanzt werden. Nach Ausstellungen in Europa, unter anderem in Avignon und in der Fondation Beyeler in Basel, fand das Werk 2018 seinen endgültigen Platz vor dem Glenstone Museum in Potomac. Es regt zum Nachdenken über das Verhältnis von Natur und Industrie sowie über die Gegensätze zwischen märchenhafter Unschuld und wilder Grausamkeit an.

8. 2013 Gazing Ball
Stets im Spannungsfeld zwischen Hyperrealismus und ungewöhnlicher Perspektive lässt Jeff Koons Abgüsse griechisch-römischer Statuen sowie Kopien alter Meisterwerke anfertigen. Auf jedem Werk schwebt eine riesige blaue Kugel aus mundgeblasenem Glas, die sowohl das Kunstwerk als auch die Betrachtenden spiegelt und Fragen nach Wahrheit und Wahrnehmung aufwirft.

9. 2019 Bouquet of Tulips
Eine zwölf Meter hohe, 33 Tonnen schwere monumentale Hand aus Bronze hält einen Strauss aus elf ballonförmigen Tulpen. Das Werk ist den Opfern der Terroranschläge von Paris gewidmet und steht am Square Jean-Perrin im 8. Arrondissement. Anfangs als aufdringlich und als Symbol der Amerikanisierung kritisiert – nicht zuletzt wegen seiner Farben –, ist das Monument heute ein Instagram-Star.

10. 2013-2019: Balloon Venus (Lespugue)
Die Balloon Venus (Lespugue) gehört zu einer Serie von fünf überlebensgrossen, ballonartigen Interpretationen einer prähistorischen Elfenbeinstatuette mit ausgeprägten Kurven, die als Symbol der Fruchtbarkeit gilt. Diese Werke wurden in den vergangenen Jahren häufig in Griechenland ausgestellt.

