Zwischen Modefotografie, Retrospektiven legendärer Modeschöpfer und der Würdigung aufstrebender Talente bietet der Sommer 2026 Modebegeisterten ein besonders vielseitiges Ausstellungsprogramm. Von Paris über Antwerpen bis nach Spanien – hier sind fünf Ausstellungen, die Sie in dieser Saison nicht verpassen sollten.

1. «Paolo Roversi. Doubts» in der Fundación Marta Ortega Pérez

Paolo Roversi zählt zu den bedeutendsten Modefotografen der Gegenwart. Mit seinen Aufnahmen, die in den renommiertesten internationalen Modemagazinen erschienen sind, hat er die Bildsprache der Mode nachhaltig geprägt. Diesen Sommer widmet ihm die Fundación Marta Ortega Pérez (MOP) in A Coruña eine umfassende Ausstellung mit ikonischen Fotografien und bisher unveröffentlichten Werken. Der Rundgang lädt zu einer Reise in Roversis einzigartiges Universum ein und zeigt die charakteristischen Merkmale seines Stils: das Spiel mit Licht und Schatten, poetische Unschärfen, skulpturales Licht und eine fast zeitlose Atmosphäre. In seinem Atelier, das einem visuellen Theater gleicht, erschafft der italienische Fotograf Bilder von aussergewöhnlicher Ausdruckskraft, die Generationen geprägt haben. Eine seltene Gelegenheit, das Werk eines der eigenständigsten Modefotografen unserer Zeit neu zu entdecken.

«Paolo Roversi. Doubts», 20. Juni bis September 2026. Fundación Marta Ortega Pérez (MOP), A Coruña, Spanien.

2. «Peter Knapp – Le Temps Courrèges» in der Fondation Maeght

Noch bis zum 1. November 2026 widmet die Fondation Maeght Peter Knapp eine Ausstellung, die seine wegweisende Zusammenarbeit mit André Courrèges nachzeichnet. Als Fotograf, Art Director und privilegierter Zeuge der stilistischen Revolution der 1960er-Jahre prägte Peter Knapp das futuristische Erscheinungsbild des Modehauses Courrèges entscheidend mit. Im Mittelpunkt der Ausstellung steht die legendäre Frühjahr/Sommer-Kollektion 1965, die als «Courrèges-Bombe» in die Modegeschichte einging. Ikonische Fotografien, bislang unveröffentlichte Archivdokumente und originale Kreationen führen durch einen Rundgang, der den avantgardistischen Geist und die visionäre Kraft dieser Epoche würdigt.

«Peter Knapp – Le Temps Courrèges», 14. Mai bis 1. November 2026, Fondation Maeght, Saint-Paul-de-Vence.

3. «Gianni Versace Retrospektive» im Musée Maillol

Ab dem 5. Juni 2026 präsentiert das Musée Maillol eine der mit grösster Spannung erwarteten Modeausstellungen des Jahres: eine umfassende Retrospektive zu Gianni Versace. Rund 450 aussergewöhnliche Exponate – darunter Kleidung, Accessoires, Skizzen, Fotografien und seltene Archivstücke – zeichnen das schillernde Universum des italienischen Designers nach. Die Ausstellung beleuchtet seine wichtigsten Inspirationsquellen, von der griechischen Antike über den italienischen Barock bis hin zur Popkultur und Punkästhetik. Eine eindrucksvolle Inszenierung zeigt zudem die engen Verbindungen Versaces zu Künstlern, Musikikonen und den Supermodels, die die 1990er-Jahre prägten. Eine gross angelegte Hommage an einen der einflussreichsten Modeschöpfer der Geschichte.

«Gianni Versace Retrospektive», 5. Juni bis 6. September 2026, Musée Maillol, Paris.

4. «Jean-Charles de Castelbajac. L’Imagination au pouvoir» in Les Abattoirs, Toulouse

Noch bis zum 23. August 2026 widmen Les Abattoirs in Toulouse Jean-Charles de Castelbajac, einer prägenden Persönlichkeit der zeitgenössischen Kunst- und Modeszene sowie einem der kreativsten Freigeister Frankreichs, eine grosse Retrospektive. Rund 300 Exponate – darunter Kleidungsstücke, Accessoires, Zeichnungen, Collagen, Designobjekte und Installationen – zeichnen den facettenreichen Werdegang eines Designers nach, der die Grenzen zwischen Kunst, Mode und Popkultur immer wieder neu definiert hat.

Als Vorreiter zahlreicher heute etablierter Ansätze beschäftigt sich Jean-Charles de Castelbajac seit Jahrzehnten mit Themen wie Upcycling, Hybridisierung und künstlerischer Zusammenarbeit. Die Ausstellung gibt Einblick in sein unverwechselbares Universum, in dem Primärfarben, Slogans, Pop-Referenzen und ikonische Figuren mit persönlicheren Werken in Dialog treten. Speziell für das Museum geschaffene Installationen ergänzen den Rundgang und unterstreichen ein Werk, das zugleich engagiert, verspielt und visionär ist – und in dem Kleidung zum Manifest, Ausdrucksmittel oder eigenständigen Kunstwerk wird. Eine faszinierende Reise durch das Schaffen eines Designers, der die Geschichte der Mode und der zeitgenössischen Kreativität nachhaltig geprägt hat.

«Jean-Charles de Castelbajac. L’Imagination au pouvoir», bis 23. August 2026, Les Abattoirs, Toulouse, Frankreich.

5. «The Antwerp Six» im MoMu Antwerpen

Noch bis zum 17. Januar 2027 widmet das MoMu – Modemuseum Antwerpen den Antwerp Six eine Ausstellung, die das Vermächtnis dieses Designerkollektivs würdigt, das die Geschichte der zeitgenössischen Mode nachhaltig geprägt hat. Die Ausstellung vereint die Welten von Ann Demeulemeester, Dries Van Noten, Walter Van Beirendonck, Dirk Bikkembergs, Marina Yee und Dirk Van Saene und zeichnet den Werdegang dieser Generation nach, die an der Königlichen Akademie der Schönen Künste in Antwerpen ausgebildet wurde und in den 1980er-Jahren international bekannt wurde. Archive, ikonische Kreationen und bislang unveröffentlichte Dokumente veranschaulichen den anhaltenden Einfluss dieser Designer, deren mutiger und experimenteller Ansatz die Codes der modernen Mode grundlegend neu definiert hat.

«The Antwerp Six», bis 17. Januar 2027, MoMu – Modemuseum Antwerpen, Antwerpen, Belgien.

Copyright Titelfoto: Olivier Amsellem