
Jedes Jahr im Juni verwandelt sich Kopenhagen in ein Designfestival, das die ganze Stadt bespielt. Während “3 Days of Design” öffnen sich Showrooms, präsentieren Marken ihre Neuheiten, finden Pop-ups, Talks und Workshops statt.
Das diesjährige Motto “Make This Moment Matter” war ein Aufruf, das Hier und Jetzt bewusster wahrzunehmen – aber auch für mehr Relevanz. Welche Ansprüche habe ich an ein Produkt und welchen Mehrwert bietet es mir? Wenngleich der Fokus bei den “3 Days of Design” auf skandinavischem Design liegt, nutzen zunehmend auch internationale Labels die Plattform, um ihre Entwürfe im hohen Norden zu präsentieren. Hat sich das Festival seit seiner Gründung im Jahr 2013 doch zu einer echten Grösse für Interior- und Outdoordesign gemausert. Wir stellen sechs Neuentdeckungen vor – von praktisch über nostalgisch bis verspielt.

1. Post Lounge Chair von Cecilie Manz für Fredericia
Seit 1911 fertigt Fredericia Furniture hochwertige Möbel im Stil des dänischen Modernismus. Verantwortlich für die klaren Entwürfe zeichnete ab Mitte der 1950er-Jahre der Hausdesigner Børge Mogensen, schon bald erweiterte Fredericia das Netzwerk um Namen wie Hans J. Wener, Nanna Ditzel oder Jasper Morrison. Im September wird die Post Collection von Cecilie Manz um den “Post Lounge Chair” ergänzt. Auch hier bleibt das Unternehmen seinen Wurzeln treu: eine klare Formensprache trifft auf Komfort. Bei ihren Designs vermählt Manz oft eine skandinavische und japanische Ästhetik. Der Name der Kollektion ist eine Hommage an den Hauptsitz von Fredericia, der sich in einem ehemaligen Postgebäude befindet.

2. Panthella “Originals Collection” von Louis Poulsen
Wie kann Licht einen Raum formen? Dieser Frage ging Louis Poulsen in Kopenhagen mit Talks, der Installation “Into the Shades” und der Ausstellung “PHorever” nach – feiert das legendäre PH-System dieses Jahr doch 100-Jahr-Jubiläum. Aber auch die 1971 von Verner Panton (der Designer hätte dieses Jahr ebenfalls seinen 100. Geburtstag gefeiert) entworfene Leuchte Panthella wurde geehrt: Sie kehrt in den fünf Originalfarben aus den Siebzigerjahren zurück, wie damals mit Opalschirm und Chromfuss. Die beiden tragbaren Tischmodelle Panthella 160 und 250 sind im Frühjahr lanciert worden, die Stehleuchte folgt im Herbst. Und noch eine Neuigkeit gab es zu verkünden: Nach acht Jahren in Besitz der italienischen Flos B&B Italia Group, ist Louis Poulsen wieder in dänischer Hand – und damit in bester Gesellschaft. Der Gruppe Chr. Augustinus Fabrikker gehört auch der dänische Möbelhersteller Fritz Hansen.

3. Kollektion “Triton” von Royal Copenhagen x Griegst
Schon bei ihrer Lancierung 1976 sorgte die Kollektion “Triton” für Begeisterungsstürme. Eigentlich ein gelernter Goldschmied, entwarf Arje Griegst muschelförmige Gefässe, die von der griechisch-römischen Mythologie inspiriert waren. Für ihre Herstellung fertigte er Gussformen aus Bienenwachs an, die er auch für seine Fine Jewelry benutzte. Anlässlich des 50-Jahr- Jubiläums haben sein Sohn, der Fotograf Noam Griegst, und die Porzellanmanufaktur Royal Copenhagen “Triton” neu interpretiert.

4. Swivel Chair von Vipp
Dass sein Treteimer, den Holger Nielsen 1939 für den Coiffeursalon seiner Frau Marie entwarf, es einmal in die Sammlung des Museum of Modern Art in New York schaffen würde, hätte der Metallschmied sich sicher nicht träumen lassen. Unter der Federführung von Tochter Jette Egelund ist Vipp zu einem Global Player geworden, dessen Portfolio heute mehr als 150 Produkte umfasst: neben Möbeln auch Küchen und sogar Gästehäuser. Für die “3 Days of Design” spannte das dänische Familienunternehmen mit dem Architektur- und Designstudio Mesura aus Barcelona zusammen. Herausgekommen ist eine Installation bestehend aus einer Sofalandschaft aus dem modularen Modell “Loft” sowie einer Wippe, bei der die “Swivel”-Stühle zum Einsatz kommen – eine augenzwinkernde Referenz an den Namen des Unternehmens.

5. Sofa Hippy von Eilersen
“Lasst uns schauen, ob die Welt bereit dafür ist”, meinte Niels Eilersen an den “3 Days of Design” schmunzelnd, als er seinen neuen Entwurf in Kopenhagen präsentierte: Sofa “Hippy”. Was genau er damit meinte? Die starke Siebzigerjahre-Referenz – ist Niels, der das Familienunternehmen gemeinsam mit seinem Bruder Anders in vierter Generation führt, doch ein absoluter Fan der Ära. Genau wie die Hippie-Bewegung, fällt auch das gleichnamige Sofa aus der Norm, wahlweise – keine Bange, Geradlinige können auch nur einzelne, rechteckige Module wählen – präsentiert es sich als gebogenes Sitzmöbel mit dem Bezug “Candy”. Aber schliesslich dachte schon Gründer Niels Eilersen um die Ecke: Er startete das Unternehmen 1895 mit einer Kutsche, die er für die Jagd entwarf. Das Modell zeichnete sich durch seine aussergewöhliche Manövrierfähigkeit und zugleich Robustheit aus.

6. Backflip Chair von Gudmundur Ludvik für Hay
Die dänische Marke Hay ist im Vergleich ein echter Jungspund: 2002 von Mette und Rolf Hay gegründet, interpretiert das Unternehmen seither die klassische skandinavische Designsprache modern. Das Resultat: Hochwertige, aber bezahlbare Möbel, Leuchten und Accessoires, die oft in Zusammenarbeit mit bekannten Designern entstehen. Wie dem Isländer Gudmundur Ludvik. Schon lange träumte er davon, einen Klappstuhl zu entwickeln, der sowohl stabil als auch bequem ist. Zwei Eigenschaften, die man nicht unbedingt mit den sonst eher wackeligen Modellen in Verbindung bringt. Anders Ludviks Entwurf: Er hat einen cleveren Mechanismus konzipiert, durch den sich der Stuhl mit nur einer Hand zusammenfalten lässt. Zudem sorgt die geschwungene Ergonomie der Rückenlehne dafür, dass die nächste Party gerne auch bis spät in die Nacht gehen darf. “Backflip” ist ab Ende Juli erhältlich.

