
Im Badezimmer unterstreicht eine immer ausgefeiltere Technik die Kostbarkeit des Wassers. Seine Stille, aber auch sein sanftes Rauschen.
Da Wasser immer rarer wird, ist es zu einem wahren Schatz geworden. Es gilt, es zu lenken, zu rationieren, zu beherrschen und natürlich zu sparen – ohne auf das Vergnügen zu verzichten, das es bereitet. Wir sprechen hier nicht von Sanitärtechnik, sondern von einer echten Wasserkultur im Badezimmer: Wasser zur Geltung zu bringen und zu einem sinnlichen Erlebnis zu machen.
Je besser dies gelingt, desto weniger fällt die Technik auf – wie eine Art Magie, eine unsichtbare Architektur. Der Nutzer darf beim Duschen weder an das Gefälle des Bodens noch an die Abdichtung hinter den Plättli, noch an die Position des Siphons denken. Er soll einfach nur das Wasser geniessen können, seinen Fluss, seine Wärme, sein Rauschen.
Am vergangenen Salone del Mobile präsentierte Geberit an der Designmesse in Mailand die Installation «Flow. Form. Function». Das «Behind the Scenes» wird in den Vordergrund gerückt: «Die Arbeit beim Sanitärdesign ähnelt dem der Uhrmacherkunst: Das Wichtigste ist das, was man nicht sieht – die Technik, die in den Wänden verborgen ist», sagt Christophe Behling, Designleiter bei Geberit.
Auch wenn ein Grossteil des Know-hows des Schweizer Marktführers naturgemäss unsichtbar bleibt, wollten die Designer von Atelier Oï, Schöpfer der Installation, diese geheime Welt wahrnehmbar machen, indem sie mit der Bewegung des Wassers arbeiteten. «Eine Feder ermöglicht es, die Tropfen zu lenken und zu verlangsamen, aber auch, ihre eigene Dynamik offenzulegen: So entstand ein Dialog zwischen der Schwerkraft, der Steuerung der Vorrichtung und einem Anteil an Zufälligkeit. Genau diese Beziehung zwischen technischer Meisterschaft und Poesie wollten wir durch die Installation spürbar machen», erklären die Designer aus La Neuveville.
Poesie der Stille
Das Verständnis des Wassers umfasst auch eine sensorische Dimension, die oft vernachlässigt wird: den Klang. Das Rauschen eines Strahls, der Nachhall eines Tropfens, das Flüstern eines Wasserlaufs.
Dieser Aspekt wirft die Frage auf: Wie lässt sich das Wasser im Haushalt zähmen, um eine Poesie der Stille zu schaffen? Das Ziel ist es, eine harmonische und diskrete Klangwelt zu komponieren, erklärt Atelier Oï: «Im häuslichen Umfeld muss vermieden werden, dass Abfluss- oder Ablaufgeräusche zu einer Belästigung werden. In unserer Installation für Geberit gingen wir dieser Frage auf feinfühlige Weise nach: Die Reibung der Feder verlangsamte den Tropfen und milderte seinen Aufprall, wenn er auf das Wasser trifft. Der Klang wurde dadurch viel feiner, fast zurückhaltend. Es ging nicht darum, das Wasser verschwinden zu lassen, sondern im Gegenteil, ihm eine subtilere Präsenz zu verleihen, in der Stille und Klang nebeneinander bestehen können.»
Bei Laufen ermöglicht eine aktuelle Innovation eine kraftvollere und extrem leise Wasserableitung aus der Toilette bei gleichzeitig reduziertem Wasserverbrauch. «Silent Flush», die neueste Generation der Spültechnologie der Schweizer Marke, erzeugt einen unauffälligen Flüssigkeitswirbel, der Spülgeräusche und Lärmbelästigung minimiert. Eine besonders interessante Innovation für Hotels.
Mit dem Fokus auf das Nutzererlebnis wetteifern die Marken in Sachen Technik und Erfindungsreichtum. Bei Hansgrohe, einem deutschen Hersteller von Premiumprodukten für den Sanitärbedarf, bietet die Duschserie «Raindance Alive» neue Strahlarten wie «RainAir» an, die einen dichten Regen aus mit Luft angereicherten Tropfen erzeugt und ein Duscherlebnis wie bei einem belebenden tropischen Regen vermittelt. Der «PowderRain»-Strahl erinnert hingegen an sanften Sommerregen: Ultrafeine Tropfen bilden einen besonders sanften Strahl, der den Körper umhüllt. Die Brause wurde 2025 mit dem «Red Dot Design Award» ausgezeichnet.
Hinter dem Versprechen eines leiseren, sparsameren und sinnlicheren Badezimmers zeichnet sich somit ein neuer Ansatz im Sanitärdesign ab, bei dem die Technologie in den Hintergrund tritt, damit das Wasser seine ganze Poesie entfalten kann.

