Die Hotpants sind wieder da! Grund genug für einen rassigen Rückblick auf ihre rasante Karriere.

Ihr Markenzeichen: hohe Taille, wenig Stoff und eine, sagen wir mal: ziemlich sexy Aura. Dabei können Hotpants – wörtlich «heisse Hosen» – durchaus elegant daherkommen. Denn anders als ihre nahen Verwandten aus Jeans, die sich im Festivalschlamm an wohlsten fühlen, sind Hotpants unter Umständen sogar an einer mondänen Soiree nicht fehl am Platz – mit ein paar stilistischen Anpassungen natürlich.

So präsentieren sowohl Dior als auch Etro diese Saison Total-Looks mit passenden Bustiers, während Valentino für eine urbane Variante mit XXL-Übershirt plädiert. Bei Giambattista Valli kommen die Höschen paillettenübersäht daher – und Tom Ford kündigt sie schon mal für den Winter an: kombiniert mit hohen Absätzen und langer Daunenjacke.


Am traditionellsten – wenn man diese Vokabel in diesem Zusammenhang überhaupt bemühen kann – machts Erdem: Da bilden gestrickte Hotpants ein Team mit ultrahohen Plateauschuhen. Long live the Seventies! Doch auch, wenn die 1970er zweifellos die goldenen Jahre der heissen Höschen waren, so haben sie das Licht der Welt doch schon einiges früher erblickt: nämlich 1933 – auf einen Tennis-Court! Die US-amerikanische Profispielerin Alice Marble ist die Erste, deren Shorts überm Knie enden. Kein Wunder also, dass Wonder Woman – bei deren Comicserie Alice Marble von 1942 bis 1946 Mitautorin war – die Hotpants seit ihrem ersten Abenteuer 1941 als Teil ihrer Uniform wählte!


Das Kino ist sowieso hin und weg vom neuen Look – man denke an Lana Turner in «The Postman Always Rings Twice» (1946) und ihre unschuldige Ausstrahlung in hochtaillierten weissen Minishorts. Oder an die wilde Silvana Mangano in «Riso amaro» (1949), die Shorts bis zum Anschlag hochgekrempelt! Alle Stars jener Zeit, allen voran die Monroe und die Bardot, trugen die Höschen mit hoher Taille, meist solche mit einem seitlichen Reissverschluss. Gleichzeitig wurden die Hotpants auch immer öfter Teil der Pin-up-Garderobe – und hatten damit sehr bald ihren lasziven Ruf weg.

Sie können auch Uniform

Wenig erstaunlich wars die göttliche Audrey Hepburn, die den Hotpants in den 1950ern zu einem stilvollen, urbanen Image zurückverhalf. «Sie trug sie mit einem langärmligen Hemd und Ballerinas, was ihnen alles Anrüchige nahm», erklärt Anna Corda, Direktorin am Musée de la Mode in Yverdon. Und schon hatten es die Höschen in die Stadt geschafft.

In den späten 60ern macht Mary Quant, die zu Beginn des Jahrzehnts bereits den Mini-Jupe erfunden hatte, aus ihnen die Peace-and-Love-Klamotte schlechthin. Im Fahrwasser der sexuellen Revolution erhielten sie gar einen feministischen Anstrich: «Sie zu tragen war jetzt keine Frage der Beine, des Körperbaus oder der Grösse mehr, sondern der Einstellung. Sie waren ein Zeichen von Selbstbewusstsein», so Anna Corda.

1933 – US-Tennis-Ass Alice Marble zeigt Knie.

Das Wort «Hotpants» indes taucht erst in den 70ern auf – auf einem Album von Soul-King James Brown, notabene, sowie in der «Women’s Wear Daily» im Zusammenhang mit ultrakurzen Shorts der französischen Prêt-à-porter-Marke Dorothée Bis. Die Hotpants sind also im täglichen Sprachgebrauch angekommen – und im Alltag. 1971 werden sie sogar Teil der Uniform der Stewardessen der US-Fluggesellschaft Southwest Airlines (Spitzname: «Love Birds» …).

Eine Idee, die Schule machte: Das Polizeikorps (!) der libanesischen Stadt Broummana griff sie in den 2010er-Jahren ebenso auf wie die Cheerleaders der Dallas Cowboys, wo die heissen Höschen bis heute fix zum Look gehören. Und dass das bisschen Stoff sogar bis an die Himmelspforte für Furore sorgt, bewies der junge Werbefotograf Oliviero Toscani (der später mit seiner legendären Benetton-Kampagne provozieren würde) 1973 mit einem Plakat für die italienische Marke Jesus Jeans, auf dem ein in Hotpants gequetschter Hintern mit dem Christus zugeschriebenen Satz «Chi mi ama mi segua» (dt. Wer mich liebt, der folgt mir) untertitelt war.


Nachdem sie die 80er mehr oder weniger im Schrank verstaubten, ging es im Folgejahrzehnt langsam wieder bergauf für die Höschen: David Bowie und Iman trugen sie 1992 im Partnerlook. (Einer der wenigen Momente jenseits der Gay Pride, in denen man die Pants an einem Herrn sah; sonst fallen nur noch Elton John und Liberace in diese Kategorie. Harry Styles, bitte übernehmen Sie!). Mit der Jahrtausendwende tritt Lara «Tomb Raider» Croft auf den Plan, und Kylie Minogue verhilft mit ihrem goldenen Outfit im Video zu «Spinning Around» den Hotpants endgültig zu einem fulminanten Comeback. Oder wars doch umgekehrt?