
Beim Wohnen verschwimmen drinnen und draussen zunehmend. Die Aufhebung der architektonischen Grenze zeigt sich auch bei den Küchen: Sie erobern den Garten.
Der Wunsch vieler Stadtbewohner, mehr Zeit in der Natur zu verbringen, hat seit der Coronapandemie rapide zugenommen. Befeuert wird der Trend durch den Klimawandel und die steigenden Temperaturen, die er mit sich bringt. In den vergangenen Jahren ist eine Abwanderung aus den Städten in ländliche Gebiete oder kleinere Städte zu beobachten. Und auch öffentliche Grünflächen werden intensiver genutzt. Aussenbereiche wie Balkone, Gärten oder Terrassen – für diejenigen, die das Glück haben, über solche zu verfügen – dienen längst nicht mehr als einfache Erholungszonen.
Sie werden zu einer Erweiterung des Wohnraums und verwandeln sich in vollwertige Lebensräume, ausgestattet mit Pergolen, ja sogar mit Pools und gemütlichen Sitzecken. Orte der Geselligkeit, an denen man arbeitet, Gäste empfängt und gemeinsam Zeit verbringt. Und da die Winter kürzer werden, erstrecken sich die schönen Tage nun von April bis November, also über acht lange Monate im Jahr, die dazu einladen, diese Aussenanlagen in vollen Zügen zu geniessen.
Am Anfang war die Feuerstelle
Im Zuge dieses Trends erlebt die Outdoorküche seit einigen Jahren einen phänomenalen Aufschwung. Natürlich wussten wir um den Charme einer Feuerstelle oder einer über den Flammen gegrillten Cervelat bei einem Spaziergang auf dem Land. Vielleicht auch um die Plancha auf dem Balkontisch. Doch die neuen Küchen gehen weit darüber hinaus. Rustikal? Mitnichten!
Vollständig modular und hochmodern ausgestattet, sind sie heute genauso gut bestückt wie ihre Pendants im Innenbereich: mit Kochfeldern, Spülbecken und luftdichten Stauräumen. Die anspruchsvollsten Hobbyköche statten sie vielleicht sogar mit einer Einbau-Fritteuse, einem Pizzaofen, einem Kühlschrank mit integrierter LED-Beleuchtung oder einem Weinkühlschrank aus. Und vielleicht sogar mit einer Anzuchtwanne für frische Kräuter, die zum Pflücken bereitstehen. Das Kochen im Freien begeistert sowohl Feinschmecker wie auch Outdoorfans.
Die Wahl der Materialien
Die Vorteile liegen auf der Hand beziehungsweise auf dem Kochlöffel: Man muss nicht mehr ständig zwischen Haus und Garten hin- und herrennen, und auch unangenehme Kochgerüche verflüchtigen sich im Nu. Für Hausbesitzer stellt eine Outdoorküche sogar eine Wertsteigerung der Immobilie dar. Vom Stadtbalkon über das Chalet bis hin zur Dachterrasse: Die Auswahl ist enorm. Ob Standardmodule oder Massanfertigungen – die Flexibilität überzeugt Architekten und Landschaftsgestalter, die jedes Projekt nach den Bedürfnissen und den Wünschen der Kunden individuell gestalten.
In der Schweiz bieten grosse Namen wie Miele solche Lösungen an, aber auch nischenorientierte Marken wie Creasteel oder Cerutti Outdoor Kitchen. Firmenchef Jérémy Cerutti bestätigt, dass «der Markt stark wächst» und dass er sich in den kommenden Jahren noch intensivieren wird. Vor allem, wenn Fachleute aus dem Bereich der Aussenanlagen sich näher mit dem Thema befassen.
Zahlreiche Marken, beispielsweise das in Zürich ansässige Unternehmen Outdoorchef, haben parallel dazu ihr Angebot ausgebaut. Das 1992 gegründete Schweizer Unternehmen wurde zunächst durch seine ikonischen kugelförmigen Gasgrills wie den Davos oder den Arosa bekannt, bevor es komplette modulare Lösungen mit integriertem Kühlschrank und Granitarbeitsplatte auf den Markt brachte. Der Spezialist, der bereits ein wichtiger Akteur auf dem Weltmarkt ist, festigt derzeit seine Position mit seiner Heat-Reihe. Ein System von Outdoorküchen zu erschwinglicheren Preisen, das 2024 auf den Markt gekommen ist und 2026 weiter ausgebaut werden soll.
Für Nathalie Henchoz, Expertin für Aussenküchen bei Green Art in Vésenaz bei Genf, erfreut sich die Aussenküche seit vier, fünf Jahren einer solchen Beliebtheit, dass die Unternehmen der Branche nun eine grössere Auswahl anbieten, insbesondere hinsichtlich Materialien und Design, die sich deutlich verbessert haben. «Anfangs war alles wenig raffiniert. Nach und nach hat sich die Optik dank namhafter Designer und einer breiten Palette geeigneter Materialien weiterentwickelt.» Dazu gehören rostfreier Edelstahl und Aluminium, verrottungsbeständiges und hochbelastbares Holz sowie Keramik, die weder UV-Strahlen noch Hitze oder Feuchtigkeit fürchtet – und darüber hinaus eine breite Palette an Oberflächen bietet.
Marmor, Beton, Naturstein, Metall oder Holzoptiken kommen in einer grossen Vielfalt an Farben, Texturen und Stilen daher. Auch Messingoberflächen können einen besonderen Stil verleihen, ebenso wie spezielle Beschichtungen, die ebenfalls gegen hohe Temperaturen und Witterungseinflüsse beständig sind. Der Boom der Outdoorküche ist weit mehr als nur eine Modeerscheinung. Er spiegelt einen nachhaltigen Wandel unserer Lebensweise wider, zwischen dem Streben nach erholsamen Auszeiten und der Anpassung an den Klimawandel.
Zurück zum Holzfeuer
Auch immer mehr Grössen der Gastronomie bereiten ihre Köstlichkeiten unter freiem Himmel zu. Doch während Hobbyköche in traumhafte Aussenküchen mit Hightech-Ausstattung investieren, verlassen Spitzenköche und sogar Sterneköche ihren Herd und den Komfort ihrer Küche, um stattdessen zu einer ursprünglicheren Art des Kochens zurückzukehren: über dem Holzfeuer. Die Pandemie hat den Trend, zurück zum Wesentlichen zu finden, befeuert: die Möglichkeit, ein echtes Erlebnis zu bieten, anstatt lediglich Gerichte zu servieren.
Da ist der Argentinier Francis Mallmann, der in der Sendung «Chef’s Table» zu sehen war, der baskische Star Victor Arguinzoniz, aber auch Schweizer Persönlichkeiten wie René Schudel, Rebecca Clopath oder Sandro Zinggeler. Letzterer wurde 2009 von Gault & Millau zum Nachwuchstalent des Jahres gekürt und organisiert nun Wildküchen-Workshops im Wald sowie gehobene Veranstaltungen, bei denen es nach Holzfeuer duftet.

