
An Schnittstelle zwischen Make-up und Hautpflege bewegt sich die Skinification. Ein minimalistischer Ansatz, der die Haut für sich sprechen lässt.
Haben Sie es bemerkt? Auf den Laufstegen der Herbst/Winter-Fashion-Weeks 2026 hat sich etwas Neues abgespielt. Nicht bei den Outfits, auch nicht bei den Kulissen. Woanders: auf den Gesichtern der Models. Das Make-up. Oder besser gesagt das scheinbare Fehlen von Make-up. Ein auf das Wesentliche reduzierter Look. Die Gesichter bestachen mit einer lebendigen Haut, manchmal unvollkommen, oft strahlend.
Schon bei den Frühjahr- / Sommermodenschauen im vergangenen Herbst liess die Deckkraft nach. Das Ziel? Die Illusion einer Haut zu erzeugen, die so gut gepflegt ist, dass sie sich selbst zu genügen scheint. Wie nach einer Kur: wieder ins Gleichgewicht gebracht, sichtbar gesund, in der strahlenden Schönheit ihrer Einfachheit.
Vorreiter Südkorea
Die Foundation war lange Zeit die Grundlage für ein perfektes Make-up. Ein reflexartiger Handgriff, um den Teint zu glätten und zu korrigieren. Erinnern Sie sich an die fast schon obsessive Suche in den Regalen nach einer ultradeckenden, ultradicken Foundation, die in der Lage ist, jede noch so kleine Unregelmässigkeit zu kaschieren –
selbst wenn die Haut dabei erstickt? Heute setzt sich ein anderer Ansatz durch: mit der Haut arbeiten, anstatt sie zu überdecken.
Die Hersteller setzen auf leichtere, weniger deckende, und vor allem wirksamere Formeln. Texturen auf halbem Weg zwischen Pflege und Make-up, die sowohl nähren als auch einen ebenmässigen Teint schaffen sollen.
Dieser Trend ist Teil einer Entwicklung, die bereits in den 2010er-Jahren begann, als BB-Cremes aus Südkorea die ersten Hybridtexturen einführten. Obwohl sie damals vielen zu leicht waren, skizzierten sie bereits eine flexiblere, lebendigere Art, den Teint zu betrachten. Dann kamen die getönten Seren. Nach und nach übernahm das Make-up die Wirkstoffe, die Versprechen und die Sprache der Pflege.
Dieses Phänomen wird mit einem eng-lischen Begriff bezeichnet: Skinification. Make-up hat nicht mehr nur eine optische Aufgabe, es pflegt und verbessert. Bei Clarins nimmt diese Entwicklung mit der Einführung seines Flaggschiffprodukts Gestalt an. Das Double-Serum ist nun auch in einer getönten Version erhältlich. «Es ist die Foundation mit den meisten Wirkstoffen, die wir je hatten, nämlich 14, um das Licht der Haut zu beeinflussen», verspricht das Haus.
Durch die mit Wirkstoffen angereicherte Formel gewinnt die Haut ihre Fähigkeit zur Selbstregeneration zurück. Besser mit Feuchtigkeit versorgt, reflektiert sie das Licht stärker. Die Ausstrahlung entsteht nicht mehr nur durch einen oberflächlichen Effekt, sondern durch eine Hautqualität, die sich mit der Zeit graduell verbessert.
Wirksame Hybridprodukte
Die Hybridisierung erstreckt sich nun auf alle Schritte des Make-ups. Mascaras versprechen die Wimpern sowohl zu stärken als auch zu verlängern. Lipglosse tragen sich wie Lippenbalsame und versorgen die Lippen dabei tiefenwirksam mit Pflege. Getragen von diesem Trend zwischen Pflege und Gloss explodiert der Markt für Lippenprodukte im Jahr 2025.
Sogar das Parfum reiht sich in diese Logik ein, wie die neuesten Kreationen von Guerlain, die als Pflegeprodukte konzipiert sind, zeigen. Die zweiphasigen Formeln duften und spenden gleichzeitig Feuchtigkeit. Überall dieselbe Idee: Man muss sich nicht mehr zwischen Wirksamkeit und Optik entscheiden.
Was wird aber aus dem Make-up, wenn es nicht mehr sichtbar ist? Vielleicht einfach das: eine diskretere Geste. Indem es sich der Pflege annähert, gibt es die oberflächliche Illusion auf. Und ohne jemals zu verschwinden, verschmilzt es schliesslich mit dem, was es seit jeher nachzuahmen versucht: der Haut selbst.






