
Ein wenig frische Bergluft, bevor der Alltag wieder richtig beginnt! Diese Wanderungen in der Westschweiz sind echte Klassiker, die man immer wieder gerne unternimmt. Renatas Favoriten.

1. Der Staudamm von Moiry
Warum hingehen? Für das Gefühl, in eine von Gletschern geformte Landschaft einzutauchen … und für die äusserst instagramtauglichen Fotos von Kühen vor einem See, dessen Blau fast zu schön ist, um wahr zu sein.
Start Der übliche Ausgangspunkt befindet sich auf dem Parkplatz des Staudamms von Moiry im Val d’Anniviers, etwas oberhalb des Ferienorts Grimentz. Sportlichere Wanderer können direkt im Zentrum von Grimentz starten: zu Fuss oder von der Bergstation der Gondelbahn Sorebois. Dadurch verlängert sich die Wanderung um 2 Stunden 15 Minuten beziehungsweise 1 Stunde 30 Minuten – durch eine zauberhafte Landschaft aus Geröllhalden, Wäldern und verwunschenen Lichtungen. Ein Postauto bringt Sie anschliessend zurück zum Ausgangspunkt.
Die Wanderung Nach der Überquerung der Dammkrone und einem tiefen Blick in das mintgrüne Wasser des Stausees umrunden Wanderer den künstlichen See möglichst nah an der Wasseroberfläche: 7 km in etwa 2 Stunden. Etwas anspruchsvoller ist die Variante über die Höhen: Man startet auf die gleiche Weise, folgt dann aber der Markierung des Chemin 2500 (benannt nach der durchschnittlichen Höhe von 2500 Metern, auf der die Route verläuft). Diese Variante ist knapp 13 km lang und dauert etwas mehr als 4 Stunden 30 Minuten. Aber was für eine Aussicht!
Das kleine Extra Eine zweistündige Führung ist jeden Dienstag bis Ende September möglich, direkt im Inneren des Staudamms. Informationen unter reservation.valdanniviers.ch/visite-guidee-du-barrage-de-moiry.html. In jedem Fall lohnt sich ein Halt im Restaurant du Lac de Moiry, wo sich die beiden guten Feen des Ortes, Clems & Fabs, um die Gäste kümmern. Ihre hausgemachte Früchtetarte ist einfach himmlisch.

2. Rochers de Naye
Warum hingehen? Wegen des schwindelerregenden Blicks auf die Region Montreux und die Häuser, die mit jedem Höhenmeter kleiner werden. Auch wegen der üppigen alpinen Flora, die man nur hier zu sehen bekommt. Und natürlich, um den Murmeltieren einen Besuch abzustatten.
Start Mehrere Routen sind möglich, aber der Klassiker bleibt der Start ab dem Bahnhof Caux … von wo aus man auch wieder mit dem Zug zurückfahren kann – ideal für alle, die ihre Knie beim (steilen) Abstieg schonen möchten.
Die Wanderung Dem Wanderweg folgen, der nahe der Strasse nach oben führt und kurz darauf rechts in Richtung Haut-de-Caux abzweigt (wenig nach dem berühmten Chalet von Claude Nobs …). Die gut ausgeschilderte Route führt abwechselnd durch bewaldete Bergrücken und Geröllhalden und bietet immer wieder atemberaubende Ausblicke. Für die knapp 9 km und 900 Höhenmeter im Aufstieg sollte man rund 2 Stunden 30 Minuten einplanen.
Aber die Belohnung ist es allemal wert: Im Murmeltierpark kann man den Tieren einen Besuch abstatten und ihnen beim munteren Treiben zusehen. Anschliessend bietet sich eine Fondue oder Rösti im Restaurant Alpin an, während man auf den Zahnradzug für die Rückfahrt wartet. Dabei kann man auch gleich eine Postkarte kaufen, die ein historisches Tourismusplakat der Region aus der Belle Époque reproduziert.
Das kleine Extra Auf rund 4000 Metern entlang des Grats präsentiert der charmante Alpengarten La Rambertia die heimische Flora. Seine Enziane, Hahnenfussgewächse und Alpen-Fettkräuter feiern dieses Jahr ihr 130-jähriges Bestehen.

3. Areuse-Schlucht
Start Noiraigue oder Boudry, je nachdem, ob man dem Flusslauf aufwärts oder abwärts folgen möchte. Man kann auch in Boudry starten, das näher bei Neuenburg liegt, und nach der Hälfte der Strecke umkehren – nicht ohne zuvor eine Forelle blau im Restaurant … de la Truite genossen zu haben.
Die Wanderung Der Weg (Vorsicht, teilweise rutschig) schlängelt sich meist dicht am Fluss entlang und überquert ihn … ganze 17 Mal auf der Strecke. Diese manchmal sprudelnde Nähe zum Wasser macht den besonderen Reiz dieser Route aus – in einer Atmosphäre aus leuchtend grünem Moos, zerklüfteten Felsen und Licht, das durch das Blätterdach fällt. Hier hält man Ausschau nach Feen und Kobolden.
Das kleine Extra Unter den Brücken, die die Areuse überspannen, ist eine besonders spektakulär: nahe Boudry, am Ort namens La Combe des Epines, spielt sie mit Licht und Schatten. Der 27 Meter lange Steg aus Holz und Stahl wurde 2002 vom Büro Geninasca Delaforterie Architectes entworfen. Zahlreiche Preise würdigten seine ästhetischen und technischen Qualitäten, vor allem aber seine poetische Integration in die Landschaft. Die offenen Holzlamellen vermitteln den Eindruck, durch das Geäst zu gehen, während sich die organische, asymmetrische Form über dem Wasser windet.

4. Baulmes-Aiguilles
Warum hingehen? Für das einzigartige Gefühl, am Dach der Welt entlangzuwandern! Und es ist einer der wenigen Orte im Juragebirge, von dem aus man beide Seen auf einen Blick überblicken kann.
Start Start und Ziel befinden sich am Bahnhof von Sainte-Croix – ideal also, um die Region mit dem Zug zu erreichen. Die halbstündige Fahrt zwischen Yverdon und Sainte-Croix ist bereits ein Erlebnis, wenn sich zwischen den Waldabschnitten immer wieder der Blick auf den Neuenburgersee öffnet. Besonders spektakulär ist die Strecke im Herbst, wenn das Laub in allen Farben schimmert.
Die Wanderung Den Bahnhof in Richtung Wald verlassen und den Schildern «Col de l’Aiguillon» folgen. Der ausgesprochen malerische Weg führt zunächst über Weiden, auf denen hier und da prächtige jahrhundertealte Bäume stehen, und steigt dann einen sehr steilen bewaldeten Hang hinauf. Er führt zum höchsten Punkt der Route: dem Kreuz auf einem Vorsprung auf 1560 Metern, von dem aus man die weite Ebene zwischen den beiden Seen, dem Genfersee und dem Neuenburgersee, überblickt. Ein Ort, an dem man unweigerlich jedes Mal ein Foto machen möchte …
Die Kühe unterhalb der Felswand wirken winzig und erinnern an jene Holzspielzeuge, die die Schweizer ihren Freunden im Ausland so gerne schenken. Nun ist auch der Moment gekommen, entlang des Grats weiterzuwandern und nach einem Picknickplatz mit Aussicht Ausschau zu halten.
Anschliessend geht es weiter über den Grat, den Blick immer wieder in der grünen Landschaft verloren, den Mont Blanc stets im Visier, bis zum Chalet du Mont de Baulmes. Der Ort ist bezaubernd, und wer kein Picknick dabei hat, wird sich auf die Käsekrapfen und andere Spezialitäten von der Alp stürzen. Bei meinem letzten Besuch spielte ein Gast Akkordeon, und die Terrasse stimmte im Chor mit ein …
Danach bleibt nur noch der Abstieg nach Sainte-Croix entlang der Strasse (oder über die Abkürzungen), um diese 10 Kilometer lange Runde nach gut drei Stunden Wanderung zu beenden.
Das kleine Extra Eine Höhle am Berghang zieht Eingeweihte an – wie ein dunkles Geheimnis, das der Route eine besondere Würze verleiht. Wer nicht darauf achtet, findet sie allerdings nicht leicht. Ein Schild weist auf den Zugang hin, weniger als 100 Meter weiter unten, ganz in der Nähe eines auf 1432 Metern markierten Ortes. Eine Taschenlampe ist unerlässlich, um den langen, engen Gang bis zu einer Kammer mit einer Öffnung nach oben zu durchqueren.

5. Der Bisse du Rho
Warum hingehen? Für den grossen Nervenkitzel über dem Abgrund … und um die Freunde, die zu Besuch sind und glauben, die Schweiz sei ein gemütliches Land, ordentlich zu beeindrucken.
Start Das Auto bleibt auf dem Parkplatz von Plans-Mayens oberhalb von Crans-Montana. Nach der Hin- und Rückwanderung bis zum Staudamm von Tseuzier findet man es dort wieder.
Die Wanderung Man kann sich nicht verirren: Der Weg folgt dem Verlauf des alten Bisse du Rho, dieses im 14. Jahrhundert erbauten Bewässerungskanals (diese Erbauer waren wirklich unermüdlich!). Heute fliesst hier kein Wasser mehr, doch der spektakuläre Weg schmiegt sich an die Konturen der Kalksteinwand. Mal führt er unter Felsen hindurch, sodass man sich ducken muss, mal verläuft er direkt an der Felswand und über dem Abgrund. Zum Glück ist der Weg sorgfältig gesichert.
Bei Ermüdung kann man jederzeit umkehren, doch es wäre schade, nicht bis zum Lac de Tseuzier weiterzugehen, der sich nach dem Anstieg durch das Tal der Ertentse in seiner ganzen Schönheit und türkisblau am Ende des Weges öffnet. Nach rund 6 Kilometern und zweieinhalb Stunden Wanderung erreicht man den See.
Im Restaurant am Staudamm kann man neue Kräfte tanken – mit all den herzhaften Walliser Spezialitäten, die ordentlich satt machen: verschiedene Fondues, Makkaroni mit Speck oder Waldkruste.
Das kleine Extra Der Hängebrücke sorgt für einen ordentlichen Adrenalinschub! Wie der Faden einer riesigen Spinne schwingt die 120 Meter lange Metallplattform über einer Schlucht – eine echte Herausforderung für alle, die unter Höhenangst leiden. Puh, geschafft, Sie sind auf der anderen Seite!
Die wichtigsten Dinge, die man dabeihaben sollte

Der passende Begleiter
Beim Wandern ist eine Wasserflasche natürlich unverzichtbar! Doch ein zweiter Behälter verdient ebenfalls einen Platz im Rucksack: das Zellwasser-Spray aus den Schweizer Alpen der schönen Marke La Colline. Mit einem einzigen Druck auf den Sprühkopf entfalten sich die Wirkstoffe der Pflanzen. Unter der Sonne der Gipfel und im Wind, der über die Höhen fegt, sorgt ein kleiner Sprühstoss für sanfte Erfrischung … und vor allem für Feuchtigkeit im Gesicht, am Hals und im Dekolleté.
Zellwasser-Spray aus den Schweizer Alpen, La Colline, 85 Fr.

Im Rucksack
Sie ist ebenso praktisch wie schön designt: die kleine Müllzange! Aus recyceltem Kunststoff gefertigt, ermöglicht sie es, herumliegenden Abfall in der Natur aufzusammeln, ohne sich die Finger schmutzig zu machen. Damit sie bei jeder Wanderung dabei ist, lässt sie sich mit einem Band aus gebrauchter Gleitschirmleine am Rucksack befestigen. Eine clevere Idee …
Müllzange, 5 Fr., erhältlich über www.summit-foundation.org

