
Als erste Etappe der Renovierung des fantastischen Plaza-Komplexes im Herzen von Genf bietet die Brasserie Europe ein echtes Kinoerlebnis – mit freiem Blick auf das Schauspiel der Strasse. Dazu kommt eine genussvolle Speisekarte, die das Erlebnis perfekt abrundet...
Eine riesige Fensterfront wie eine Kinoleinwand. 1952 entwarf der Architekt Marc J. Saugy diesen von Amerika inspirierten Gebäudekomplex, der oberhalb der Rue de Chantepoulet unweit des Bahnhofs Cornavin liegt. Seine Idee war, dass das städtische Leben Teil des Restaurantbesuchs wird – dass man zwischen zwei Bissen die Stadt beobachtet, wie von einem Balkon aus. Die Renovierung greift diesen Gedanken auf und hebt ihn eindrucksvoll hervor.
Die Brasserie Europe öffnet an diesem Montag, dem 8. Juni, wieder ihre Türen – nach Jahren als chinesisches Restaurant und einer anschliessenden langen Schliessung. Als erster Meilenstein der Wiedergeburt des Plaza, eines Gebäudekomplexes, dessen Zentrum einst ein Kino mit 1’250 Plätzen bildete, versprüht das Restaurant bereits jetzt eine spürbar positive Energie, auch wenn der Rest des Hauses noch eine Baustelle ist.
Die konsequent saisonale Speisekarte und der charmant-verspielte Service lassen vermuten, dass Feinschmeckerinnen und Feinschmecker jeden Alters hier rasch ihre Gewohnheiten entwickeln werden. Zumal die Adresse sieben Tage die Woche geöffnet sein wird – eine Seltenheit in Genf.

Auf der Speisekarte? Der belgische Küchenchef Jean-Jacques Danthine, der seit fast vier Jahren im Kanton lebt, hat eine besondere Vorliebe für Fisch. Das zeigt sich beim Köhler mit Chimichurri-Sauce ebenso wie beim saisonalen Graved Lachs und bei den Signature-Gerichten. Sein Waterzooi, ein cremiger Eintopf mit Muscheln und Lachsforelle, geniesst bereits einen ausgezeichneten Ruf. Und der grosse Brasserie-Klassiker schlechthin – Steak Tatar, von Hand geschnitten und mit hausgemachten Pommes frites serviert – dürfte sich rasch zu einem der Stars des Hauses entwickeln.

Doch über eine präzise und kreative Küche hinaus zeigt sich die Seele eines Restaurants in den Details. Hier lädt alles zum Schmunzeln ein. Für die Renovierung zeichnet das Büro FdMP verantwortlich, gemeinsam mit dem Designer und Architekten Youri Kravtchenko, einem Spezialisten für Gastronomiekonzepte. Von ihm stammen die lange Sitzbank entlang der Fensterfront und die grosse Bar aus Aluminium, deren Taschenhaken aus dem Originalmetall gegossen wurden, das nach dem Brand von 2023 geborgen werden konnte.
Ein wild arrangierter Blumenstrauss, schwarze Schürzen mit Latz, aufgeschlagene Butter mit Fleur de Sel, Sauerteigbrot: Jedes Element wurde mit Bedacht ausgewählt. Und auf den Tischsets wartet ein kleines Spiel für Filmfans: Es gilt, die Urheber der aufgedruckten Zitate zu erraten, etwa «With great power comes great responsibility» oder «There is no spoon». So beginnt das Essen bereits mit einem Rätsel.

Ab Anfang kommenden Jahres wird die Brasserie Europe ihre Rolle als Bindeglied zwischen der Stadt und dem Kulturkomplex, an den sie angeschlossen ist, voll entfalten. Dann werden auch der historische Kinosaal, ein Kinohotel mit siebzehn Zimmern, die alle mit einer Grossleinwand ausgestattet sind, ein zweiter immersiver Saal, der wie ein Bunker unter dem Gebäude angelegt wurde, eine Bar mit Gelateria, eine Buchhandlung mit Café sowie verschiedene Ausstellungsräume ihre Türen öffnen.
Finanziert von der Fondation Wilsdorf, verspricht dieses architektonische und filmische Abenteuer ein Kulturzentrum zu werden, das ebenso ambitioniert wie faszinierend ist. Und ein kleiner Spoiler zum Schluss: Die Brasserie Europe wird dann auch bereit sein, Mahlzeiten direkt aufs Zimmer zu servieren – für Nächte ganz in Technicolor.
Brasserie Europe, Rue Chantepoulet 1, Genf. Täglich geöffnet von 8.00 bis 24.00 Uhr (Küche von 12.00 bis 14.00 Uhr und von 19.00 bis 23.00 Uhr). Ab Montag, 8. Juni 2026.

